Marokko – Spekulationen über Besuch des israelischen Premierministers

Gegenbesuch eines marokkanischen Regierungsmitglieds in Israel steht noch aus.

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Yair Lapid soll zu den Vorbereitungen des Jahrestags des Abraham-Abkommens nach Marokko reisen. Gipfeltreffen der Unterzeichner in Planung.

Tel Aviv – Während marokkanische Medien darüber spekulieren, dass der immer wieder erwartete erste offizielle Besuch des marokkanischen Außenministers, Nasser Bourita, in Israel noch in diesem Sommer stattfinden könnte, gehen israelische Medien von einer ganz anderen Konstellation aus.

Anlässlich des zweiten Jahrestages der Unterzeichnung des Normalisierungsabkommens soll der derzeitig amtierende israelische Ministerpräsident, Yair Lapid, nach Marokko reisen wollen, um an einem Gipfeltreffen der arabischen Länder teilzunehmen bzw. dieses vorzubereiten, mit denen Israel seine Beziehungen normalisiert hat, also den Unterzeichnern des Abraham – Abkommens.

Gastgeberland und Datum für Gipfeltreffen noch nicht bekanntgegeben.

Nach Angaben der hebräischen Zeitung Israel Hayom plane Lapid, „noch vor den Wahlen nach Marokko zu reisen“. Was die Spekulationen näht, dass Marokko Gastgeber dieses Gipfels sein könnte. Es wurde darauf hingewiesen, dass es noch kein Datum gebe, dass der Gipfel aber in einem der Unterzeichnerländer stattfinden werde.

Die israelische Zeitung betonte, dass „die Konferenz auf der Ebene der Staatschefs dieser Länder stattfinden werde. Zu den teilnehmenden Ländern gehören neben Israel auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Marokko“. Derzeit scheint es, hinter den Kulissen, auch Gespräche zwischen Israel und Saudi-Arabien zu geben.

Erster Besuch von Yair Lapid als Premierminister Israels ins Marokko.

Diesbezüglich geht die hebräische Zeitung in ihrem Artikel davon aus, dass „Lapid plane, zum ersten Mal als Premierminister nach Marokko zu reisen, nachdem Armeechef Aviv Kohavi und Polizeichef Kobi Shabtai Marokko besucht haben“.

Seine beiden neuen israelischen Minister trafen ebenfalls am 24. Juli 2022 in Marokko ein, nach einer Reihe von Besuchen israelischer Beamter in Rabat.

Die Zeitung wies darauf hin, dass „dieser Gipfel auf höchster Ebene stattfinden werde“ und sich von dem vor einigen Monaten von Tel Aviv organisierten Negev-Forum unterscheiden würde. Damals fanden die Gespräche nur auf der Ebene der Außenminister statt.

Premierminister Lapid besuchte als erstes hochrangiges Regierungsmitglied im August 2021 Marokko, noch als Außenminister. Danach besuchten zahlreiche Mitglieder der israelischen Regierung das Königreich Marokko, wobei mehrere Abkommen in zahlreichen Bereichen unterzeichnet wurden.

Marokko – Yari Lapid in Rabat empfangen.

Gegenbesuch eines marokkanischen Regierungsmitglieds in Israel steht noch aus.

Zu einem ersten offiziellen Gegenbesuch eines hochrangigen marokkanischen Regierungsmitgliedes ist es, bis auf den kurzen Besuch von Nasser Bourita beim Negev-Forum auf einem Militärstützpunkt, bisher nicht gekommen.

Ein solcher Besuch gestaltet sich auch derzeit schwierig, nicht nur angesichts der wieder aufgeflammten Gewalt zwischen Israel und Teilen der Palästinenser.
Trotz der deutlichen Nähe und Kooperationsbereitschaft will Marokko weiterhin demonstrieren, dass man an der Seite der Palästinenser stehe und auch grundsätzlich die Haltung der arabischen-islamischen Welt nicht aufgegeben hat, wonach neben der Zweistaatenlösung ein für alle Weltreligionen offener Status Jerusalems angestrebt wird.

Ein Besuch von Premierminister Akkenouch oder nur Außenminister Bourita, der auch politische Treffen in Jerusalem und nicht nur in Tel Aviv beinhalten würde, könnte außen- und Innenpolitisch als Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels ausgelegt werden. Eine solche Interpretation könnte für Marokko, dessen König Mohammed VI. Vorsitzender des Al-Quds (Jerusalem) Komitees ist, schädlich sein.

Besucht ein Spitzenpolitiker Jerusalem als Ort von politischen Gesprächen nicht, sondern nur als Besucher der für Muslime heiligen Stätten, wäre Israel brüskiert. Hinzu kommt, dass ein Besuch eines marokkanischen Spitzenpolitikers auch mit Treffen mit den Palästinensern verknüpft werden muss.

Hier müssen beide Seiten zunächst eine Formel finden. Ein Lösungsweg könnte darin bestehen, dass es Marokko und den USA gelingt, einen neuen für die Palästinenser positiven Vertrag mit Israel zu vermitteln, der dann in Jerusalem unterzeichnet wird und zu dessen Würdigung ein marokkanischer Regierungsvertreter in Begleitung von z.B. Präsident Abbas in Jerusalem auftritt. Das diese Strategie gerade getestet wird, zeigte die vermittelte Öffnung der Grenze zwischen dem Westjordanland und Jordanien vor wenigen Wochen.

Diese Komplexität könnte auch hinter den Planungen stehen, das Gipfeltreffen der Mitglieder des Abraham – Abkommens nicht in Israel stattfinden zu lassen.

Die Zeit drängt. Denn Israel erwartet den nächsten Umsetzungsschritt in dem vereinbarten „Normalisierungsabkommens“, welches im Dezember 2020 unterzeichnet wurde, der die Eröffnung von offiziellen Botschaften vorsieht.

Der Geschäftsführer der israelischen Vertretung in Rabat, der von Israel bereits den Titel eines Botschafters erhalten hat, kündigte den Neubau der israelischen Botschaft in der marokkanischen Hauptstadt an, der in 18 Monaten beendet sein soll. Marokko unterhält ebenfalls bisher nur eine „Vertretung“ in Tel Aviv. Gleich wer die Parlamentswahlen in Israel im November gewinnt, man wird auf eine gleichzeitige Umwandlung bzw. Einweihung von Botschaften drängen.

Marokko – Grenzübergang Allenby/King Hussein auf Vermittlung Marokkos und USA wieder geöffnet.

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