Marokko – Über 7.000 Schulen ohne Strom oder Internet.

Bildungsministerium erläutert Gründe für die Schließung der Bildungseinrichtungen.

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Schule
©Maghreb-Post - Marokkanische Schule

Bildungsminister berichtet Parlament über getroffene Maßnahmen während der Coronakrise.

Rabat – Am gestrigen Dienstag, 13. Mai 2020, stellte sich der marokkanische Bildungsminister den Fragen von Abgeordneten im Parlament. In seiner Rede vor der Kommission für Bildung, Kultur und Kommunikation gab der Minister für Nationale Bildung, Said Amzazi, eine Bewertung aller Maßnahmen ab, die sein Ressort bisher ergriffen hat, um mit den Folgen der Coronavirus – Pandemie fertig zu werden.

Einordnung der Maßnahmen im Kontext der Coronavirus – Pandemie.

Zu Beginn seiner Erläuterungen verwies er auf die besondere Lage, in der die Regierung und das Bildungsministerium derzeit agieren. „Heute leben wir in einer Ausnahmesituation, und wir müssen die von der Regierung unter der Leitung Seiner Majestät geleistete Arbeit würdigen. Die epidemiologische Situation ist unter Kontrolle, auch wenn sich Epizentren herausbilden, und unser Land ist weltweit ein Vorbild. (…) Der Ausbruch von Solidarität, den unser Land erlebt hat, ist etwas, auf das ich stolz bin.“ Er ergänzte: „Alle Entscheidungen, die wir im Ministerium treffen, werden in Absprache mit dem Regierungschef, dem Innenministerium und dem Gesundheitsministerium getroffen. Alle Sektoren sind heute von diesen Abteilungen abhängig, die Gesundheit unserer Bürger steht auf dem Spiel. Ich bin stolz auf diese Koordination“.

Bildungsminister
Marokkanischer Minister für Nationale Bildung, Berufsbildung, Hochschulbildung und wissenschaftliche Forschung, Said Amzazi

Bildungsministerium erläutert Gründe für die Schließung der Bildungseinrichtungen.

„Zehn Millionen Studenten, Schüler und Lehrer bilden eine große menschliche Gesamtheit. Unser Anliegen war es, ihre Gesundheit und damit die Gesundheit der gesamten Bevölkerung zu schützen, da Schüler und Lehrer täglich mit anderen Menschen, insbesondere mit ihren Familien, in Kontakt stehen. Die Aufrechterhaltung der Klassen hätte zur Verbreitung des Virus im ganzen Land beigetragen“. (…) „Wir haben beschlossen, den Unterricht am 13. März auszusetzen. Wie Sie feststellen konnten, haben wir gut daran getan, vorauszusehen“.

Übergang zum E-Learning offenbart Mängel in der Infrastruktur Marokkos. 7.000 Schulen ohne Strom und Internet.

„Wir hatten ein Wochenende, um uns auf den Übergang zum Fernunterricht vorzubereiten. Das Hauptproblem war die Verallgemeinerung dieser Art des Lernens. Einige Regionen haben nicht einmal Zugang zu Elektrizität. Derzeit suchen wir nach Lösungen und denken darüber nach, mehr als 7.000 Schulen in ländlichen Gebieten mit Solarenergie zu versorgen, damit sie Zugang zu Elektrizität und Internet haben.“ (…)

„Viele ländliche Gebiete haben weder 4G noch 2G. (Anm. d. Autors – Mobilfunknetz) Wir haben ein Satellitenabonnement benutzt. Jede Empfangsstelle kostet uns 1.400 Dirham. Die Internetgebühren, die wir zahlen, belaufen sich jährlich auf 90 Millionen Dirham“. (…) „Mehrere Lehrerverbände ergriffen die Initiative, um Inhalte zu erstellen, die an die Schüler weitergegeben wurden. Auf zentraler Ebene haben wir so etwas wie eine Direktion geschaffen, die diese Initiativen aufmerksam verfolgt. Heute wird eine Abteilung innerhalb der Akademie geschaffen“.

Produktion von Inhalten in kurzer Zeit.

„Die Plattform Tilmidtice (Anm. d. Autors- Internetseite für Bildungsinhalte) umfasste am ersten Montag nach der Aussetzung des Präsenzunterrichts fast 600 Bildungsinhalte für alle Stufen. Mittags begannen wir mit der Ausstrahlung auf dem Kanal Attaqafya“. (…) „Um alle Programme auf jeder Stufe abzudecken, verstärkten wir dann die Teams und entsandten Lehrer an jede Akademie. Jeden Tag mussten sie Unterrichtsstunden aufzeichnen, die sie um 19 Uhr abgeben mussten. Ich möchte die Lehrer würdigen, die sich freiwillig gemeldet und sich unserer Initiative angeschlossen haben. Dies hat eine Dynamik der Zusammenarbeit geschaffen“.

E-Learning
Tilmidtice-Plattform marokkanisches Bildungsangebot für E-Learning an Schulen

„OCP stellte uns Studios für die Aufnahmen zur Verfügung, SNRT stellte uns fünf Kameraleute zur Verfügung, MAP schickte uns zwei. Ich danke ihnen für ihre Zeit und ihre Solidarität“. (…) „Am folgenden Montag begannen wir mit der Ausstrahlung von Bildungsinhalten auf allen Kanälen. Derzeit gibt es 6.000 Bildungsinhalte, die Programme auf allen Stufen abdecken“.

Eingeschränkte Chancengleichheit bei den Schülerinnen und Schüler.

„Es ist klar, dass beim Übergang zum Fernunterricht Ungleichheiten zwischen den Schülern entstanden sind. Wir hatten ein Interaktionsproblem und baten die Familien, die Schüler zu beaufsichtigen. Einige Lernende können von der Familienaufsicht profitieren, wenn ihre Eltern sich der Bedeutung des Fernunterrichts bewusst sind. Für andere ist dies nicht der Fall“.

„Wie beaufsichtigen Sie einen Studenten aus der Ferne? Einige Schülerinnen und Schüler werden von ihren Eltern beaufsichtigt, andere nicht. Wir haben mit Verlagen zusammengearbeitet, um ein Lehrbuch zu entwickeln, das die wesentlichen Inhalte der Mathematik, Französisch und Arabisch, enthält und kostenlos an die Schülerinnen und Schüler verteilt werden soll“.

Zugriff auf digitale Lerninhalte hat sich abgeschwächt.

„95% der realen Klassen sind in virtuelle Klassen umgewandelt worden. Auf der Tilmidtice-Plattform liegt die durchschnittliche Anzahl der Zugriffe bei 600.000 Schülern pro Tag. Am Anfang waren die Schülerinnen und Schüler neugierig und wir verzeichneten den Zugang von mehr als 900.000 Schülerinnen und Schülern“. (…)

„Bei den Teams war die Anzahl der Benutzer anfangs gering. Heute haben 83.000 Lehrer Zugang. Das ist uns seit 10 Jahren nicht mehr gelungen. Sehr lange Zeit war die Zahl der Lehrer auf dieser Plattform nicht mehr als 30.000. Die Zahl der Studenten in den Teams ist jedoch nach wie vor gering, wir haben 100.000 Zugriffe registriert. Wir haben mehr erwartet“.

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