Marokko – PSA Werk in Kenitra eröffnet.

PSA Group bezeichnet Marokko als zentralen Standort für die eigene Wachstumsstrategie.

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Kenitra
Quelle MAP - König Mohammed VI. bei der Eröffnung des PSA - Werks in Kenitra Juni 2019

König Mohammed VI. und Minister Moulay El Alamy nahmen an Eröffnungsfeier teil.

Kenitra – Der französische Automobilhersteller PSA (Peugeot und Citroen) hat gestern offiziell sein neues Werk in Kenitra eröffnet. PSA plant den Bau von bis zu 100.000 Fahrzeugen pro Jahr. Die geplanten Fahrzeuge entsprechen überwiegend der international aktuellen Produktpalette des Herstellers und sind sowohl für den afrikanischen wie auch für den europäischen Markt gedacht. Das aktuelle Werk stellt nur die erste Phase des geplanten Komplexes da. Der Standort soll erweitert werden und die Produktion nicht nur von PKWs, sondern auch von Motoren für andere Standorte ermöglichen. Bis zum Jahr 2023 ist geplant 4.000 direkte Arbeitsplätze zu schaffen. Das PSA Werk lockte ca. 27 Zulieferbetriebe in die Region, womit weitere Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Kenitra „Atlantik Free Zone“ bietet zahlreiche Vorteile.

Der Standort, ca. 50 km nördlich der marokkanischen Hauptstadt, ist von PSA ausgewählt worden, weil die marokkanische Regierung den Industriepark in Kenitra zur Freihandelszone erklärt hat. Damit genießen alle Investoren Erleichterungen, bei bürokratischen Fragestellungen sowie zeitlich begrenzte Vorteile bei Steuern und Abgaben. Auch die Infrastruktur wurde für Investoren aus der Industrie ausgebaut. So besitzt die Stadt Kenitra einen Hochseehafen, Autobahnanbindung sowie einen der neuen Bahnhöfe für Afrikas ersten Hochgeschwindigkeitszug „Al Boraq“.

Atlantik Free Zone
Quelle Kenitra Freihandelszone: http://www.atlanticfreezone.com/en/location

Binnen weniger als einer Stunde ist man in der Hafenstadt Tanger, mit dem größten Hafen Marokkos „Tanger Med“. Ebenfalls in relativ kurzer Zeit ist man in der marokkanischen Hauptstadt Rabat und in etwas mehr als einer Stunde in der Finanz- und Wirtschaftsmetropole Casablanca, mit Marokkos größtem Flughafen „Airport Mohammed V.“. Weitere internationale Flughäfen findet man in Tanger und Rabat. Der Flughafen Rabat wir aktuell ausgebaut und bekommt ein zweites internationales Terminal.

König Mohammed VI. und Handels- und Industrieminister Moulay Hafid El Alamy nahmen an Eröffnungsfeier des PSA – Werks teil.

An der offiziellen Eröffnungsfeier nahmen auch der marokkanische König Mohammed VI. und der zuständige Minister für Handel und Industrie Moulay Hafid El Alamy teil. Der als Befürworter des Aufbaus einer Automobilindustrie in Marokko bekannte Monarch, besichtigte die fertig gestellten Produktionshallen und lies sich auch die Erweiterungsplanungen erläutern. Der König besuchte ebenfalls die Anlagen der Zulieferer und lies sich die Produktionskapazitäten vorstellen. Im Anschluss lies sich der König mit Mitarbeitern und Repräsentanten der Unternehmen fotografieren. Bei dieser Gelegenheit konnten die Besucher auch einen Blick auf das für die Produktion in Marokko vorgesehene neue Modell des Typs Peugeot 208 erhaschen. Marokko hofft, dass der vorgesehene Kompakt SUV 2008 ebenfalls im Land gebaut werden wird. Hierbei wünscht man sich im Königreich vor allem die Produktion der Varianten mit Hybrid- und Elektroantrieben.

PSA
Quelle MAP – PSA baut Kleinwagen in Kenitra. König Mohammed VI. betrachtet Peugeot 208

Handels- und Industrieminister hebt erfolgreiche Ansiedlung hervor.

Der Industrieminister Moulay Hafid El Alamy hob in seiner Ansprache hervor, dass „die Infrastruktur, die PSA-Fabrik und die Fabriken ihrer Subunternehmer unter den vereinbarten Bedingungen und innerhalb der festgelegten Fristen realisiert wurden“.

Minister El Alamy informierte darüber, dass die Französisch PSA – Group rund drei Milliarden marokkanische Dirham (MAD) (ca. 278 Millionen Euro*) investiert hat und in ähnlichem Volumen weiter investieren möchte. Laut Minister EL Alamy ist das Produktionswerk sowohl für den Bau konventioneller wie auch für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ausgelegt. Besonders Stolz ist der Minister über die sog. Integrationsrate der Produktion. Ca. 60% aller verwendeten Teile werden in Marokko hergestellt. Ziel ist es, diese Rate auf 80% zu steigern. Auch der Wissenstransfer findet statt. Neben der Ansiedlung von Zulieferern konnten auch Kapazitäten in der Forschung und Entwicklung (F&E) angesiedelt werden. Statt wie geplant 1.500 Personen arbeiten aktuell sogar 2.300 Menschen im Bereich F&E, davon 85% Ingenieure. Derzeit kauft PSA in Marokko produzierte Teile im Wert von 700 Millionen MAD. Bis 2025 soll dieser Wert die Grenze von einer Milliarde MAD überschreiten.

PSA Group bezeichnet Marokko als zentralen Standort für die eigene Wachstumsstrategie.

PSA-Vizepräsident für den Nahen Osten und Nordafrika, Jean-Christophe Quemard, stellte in seiner Ansprache fest, dass die Vision des Königs, ein „effizientes wirtschaftliches Ökosysteme zu entwickeln“, nun Realität sei. Für die PSA – Group mit all ihren Bestandteilen, beginne diese Vision mit dem Wichtigsten, „der beruflichen Ausbildung von Männern und Frauen, die die Zukunft der Automobilindustrie, mit dem Versprechen einer reichen Karriere in dieser Branche in Marokko, gestalten werden“. Er ergänzte, dass Marokko, mehr denn je, „ das Herz der Wachstumsstrategie der PSA – Group ist, die zu den leistungsstärksten Autoherstellern der Welt zählt“. Der PSA Vizepräsident kündigte bei dieser Gelegenheit an, das „unsere Groupe beschlossen hat, im Königreich ein regionales Entscheidungszentrum einzurichten und ein Forschungs- und Entwicklungszentrum zu errichten, das in das globale Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk der PSA – Group integriert ist und heute eine entscheidende industrielle Aktivität darstellt“.

PSA
Quelle MAP – König besucht Motorenwerk PSA – Group in Kenitra.

Automobilindustrie wächst in Marokko weiter.

Aktuell sind in der marokkanischen Automobilindustrie ca. 190.000 Menschen beschäftigt. Die Beschäftigungszahlen haben sich von 2013 bis 2018 verdoppelt. Die Automobilindustrie ist zum vierte mal in Folge der größte Exportsektor des Landes. Marktführer in Marokko ist der ebenfalls französische Konzern Renault, der hauptsächlich Fahrzeuge der Marke Dacia im Königreich herstellt und vertreibt. Der Umsatz verdoppelt sich ebenfalls von 31,7 Milliarden MAD im Jahr 2013 auf nun 65,1 Milliarden MAD im Jahr 2018. Die deutschen Automobilhersteller scheinen bisher kein Interesse am afrikanischen Markt oder am Produktionsstandort Marokko zu haben und überlassen bisher das Feld kampflos den französischen Herstellern. Dies obwohl deutsche Hersteller, wie Daimler nahezu Kultstatus in Marokko genießen. Die VW Gruppe hat erste kleine Produktionsstätten in Algerien aufgebaut, die mehr Kosten als Umsatz oder gar Gewinn erzielen. Chinesische Hersteller sollen in der geplanten völlig neuen Stadt Tanger Tech angesiedelt werden, die vornehmlich Elektrofahrzeuge herstellen wollen.

Marokko – Renault Group Marktführer bei Neufahrzeugen.

*Wechselkurs vom 21. Juni 2019

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