Marokko – Regulierung des Cannabishandels ohne Freigabe für allgemeinen Konsum.

Privater Cannabiskonsum bleibt in Marokko verboten.

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Cannabis
Anbau von Cannabis

Regierungsrat wird über legalisierten Cannabishandel zwischen Unternehmen und regulierten Anbau beraten.

Rabat – In der morgigen Sitzung des Regierungsrates, unter der Leitung von Premierminister Dr. Saad-Eddine El Othmani, soll ein Thema beraten werden, das bereits im Vorfeld die Diskussionen und Spekulationen anheizt. Der Premierminister selbst bestätigte am vergangenen Dienstag, dass man über eine mögliche Legalisierung des Cannabishandels beraten wird, er nannte aber keine weitergehenden Informationen zu einem möglichen Gesetzentwurf. Nun sickerten erste Details zum Gesetzentwurf durch, der private Konsumenten von Cannabis aus heimischer Produktion wahrscheinlich enttäuschen wird, aber eine Chance für die Bauern im Rif und den Aufbau eine auf Schmerzmittel fokussierten Pharmabranchen sein könnte.

Premierminister
Quelle Facebook – Premierminister El Othamni leitet Sitzung des Regierungsrates

Staat will Anbau und Verkauf von Pflanzen für Unternehmen regulieren.

Wie das Nachrichtenportal Le360.ma exklusiv aus regierungsnahen Quellen erfahren haben will, wird es nicht um die Legalisierung von Cannabis für den privaten Konsum gehen. Der Gesetzentwurf zur Legalisierung des Handels mit Cannabispflanzen oder Produkten sieht in seinen Bestimmungen die Einrichtung einer spezialisierten nationalen Agentur vor. Die Agentur wird die einzige öffentliche Einrichtung sein, die für den Kauf und Verkauf der Pflanze an bzw. von Unternehmen und Bauern, die sie für medizinische Zwecke verwenden wollen oder sollen, zuständig ist. „Diese nationale Agentur wird der einzige Ansprechpartner für den Kauf von Cannabiskulturen bei Landwirten und den Verkauf an nationale und internationale Verarbeitungsunternehmen mit Sitz in Marokko sein“, so eine nicht namentlich genannte Quelle gegenüber dem Nachrichtenportal Le360.ma weiter.

Gesetzentwurf im Innenministerium erarbeitet. Privater Konsum weiterhin verboten.

Eine solche Gesetzgebung wäre die erste ihrer Art in dem nordafrikanischen Königreich, das weltweit zu den größten Produzenten von Cannabis gehört. Der Gesetzentwurf wurde vom Innenministerium verfasst und soll nicht nur den Handel teilweise legalisieren, sondern auch den Anbau regulieren. „Ein Dekret des Regierungschefs wird später verabschiedet werden, um die Flächen für den Cannabisanbau auf sechs Zonen im ganzen Königreich zu begrenzen“, so die Quelle gegenüber Le360.ma weiter.

Außerhalb dieser Zonen im Norden Marokkos wird der Anbau von Kif „strikt verboten“ bleiben, so die Quelle, die ergänzt, dass der Konsum zu privaten Zwecken in Marokko verboten bleibt.

Cannabis
Konsum von Cannabis könnte in Marokko legalisiert werden.

Regierung will neuen Markt mit hohen legalen Umsätzen schaffen.

Der Umsatz, der durch diese Vermarktung für medizinische Zwecke generiert werden kann, wird auf „mehrere Milliarden Dirhams“ geschätzt. Nach Angaben der regierungsnahen Quelle gegenüber Le360.ma, geht man davon aus, dass die Gesamtzahl der Menschen, die derzeit Cannabis anbauen, auf etwa „400.000 Marokkaner und 60.000 Familien geschätzt werden muss, die von dieser Pflanze leben. Die Gesamtfläche des Cannabisanbaus beziffert die Regierung auf „73.000 Hektar“, was mehr ist, als der UNO Drogenreport 2015 für Marokko ausgewiesen hat, während die illegalen Einnahmen aus dem Cannabishandel auf 5,2 Milliarden Dirhams MAD geschätzt werden. Beobachter schätzen, dass die tatsächliche Summe um ein Mehrfaches höher liegt.

Situation der Cannabisbauern prekär.

Ein Großteil der Umsätze und Gewinne kommt bei den Cannabisbauern nicht an. Zugleich sind sie durch den oft kargen Boden im Rif-Gebirge gezwungen, die Angebote der Drogenbarone anzunehmen und Cannabis anzupflanzen. Dadurch geraten sie in die Illegalität und sind den meist international operierenden Drogenkartellen sowie den örtlichen Behörden ausgeliefert. Eine teilweise Legalisierung und Regulierung des Cannabisanbaus sowie Handels könnte diese Menschen aus der Illegalität befreien, die Schaffung höhere Einkommen ermöglichen und Drogenkartellen wie auch teils korrupten Behörden vor Ort die Möglichkeit zur Erpressung nehmen. Zugleich könnte Marokko ein ohnehin stattfindendes Gewerbe zum Aufbau eines neuen legalen Geschäftsmodells in der medizinischen Forschung nutzen. In immer mehr Ländern der Welt wird bei Schmerztherapien oder Krebsbehandlungen auf Cannabisderivate oder Cannabisprodukte zurückgegriffen.

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Marokko nutzt Neueinstufung von Cannabis durch die UNO.

Diese erste Gesetzgebung dieser Art im Königreich Marokko steht im Zusammenhang der Neuklassifizierung von Cannabis durch eine Kommission der Vereinten Nationen UNO. Nach der Prüfung einer Reihe von Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Marihuana und seinen Derivaten beschloss die Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen (CND), Cannabis aus der Liste IV des Übereinkommens über Suchtstoffe von 1961 zu streichen – wo es neben tödlichen und süchtig machenden spezifischen Opioiden, einschließlich Heroin, aufgeführt war, die anerkanntermaßen wenig oder keinen therapeutischen Zweck haben.

Diese neuen Überlegungen kommen auch zu einer Zeit, in der das Cannabis-Thema im Vorfeld der Wahlen wieder in den Vordergrund der politischen und medialen Diskussion rückt. Politische Stimmen fordern die Legalisierung der Plantagen im Rif und die Umsetzung von Unterstützungsplänen für die von Cannabis lebenden Bauern, um sie aus der Prekarität und Illegalität zu holen.

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