König Mohammed VI. auf diplomatischer Mission in Afrika.

König Mohammed VI. von Marokko auf diplomatischer und wirtschaftlicher Tour sowie Charmeoffensive in Afrika.

König Mohammed VI.
Afrikareise König Mohammed VI.

König Mohammed VI. von Marokko auf diplomatischer und wirtschaftlicher Tour sowie Charmeoffensive in Afrika.

Kigali – König Mohammed VI. von Marokko hat Mitte Oktober mehrere Länder in Afrika besucht und damit eine diplomatische Offensive gestartet.
Für Marokko hat der afrikanische Kontinent eine hohe Priorität. Darauf machte der Monarch nochmals, in seiner TV Rede Ende August, aufmerksam – maghreb-Post berichtete. Seiner damaligen Ankündigung lässt Mohammed VI. nun Taten folgen, in dem er in einer Rundreise die Länder Äthiopien, Ruanda und Tansania besucht.

König Mohammed VI.
König von Marokko und Präsident von Ruanda

Marokko hat seine Kontakte zu den anderen Afrikanischen Ländern sehr lange vernachlässigt. Das nordafrikanische Königreich hatte sich eher Richtung Europa orientiert und es gab Zeiten, da hatte man in Rabat die Hoffnung einen umfassenden Zugang zur EU zu bekommen. Der jetzige König Mohammed VI. hat aber erkannt, dass Europa sich eher um sich selbst kümmert und auch eigene Sorgen hat, als dass große Positive Effekte für sein Land entstehen könnten. In einem ersten Schritt hat Marokko neue Absatzmärkte außerhalb Europas gesucht und teilweise gefunden. Erst im letzten Sommer wurden umfangreiche Kooperationsverträge mit China unterzeichnet – maghreb-post berichtete. Gleichzeitig haben sich die Handelsbeziehungen mit Canada positiv entwickelt. Aber nicht nur die Suche nach neuen Absatzmärkten sowie Kooperationen mit weiteren Wirtschaftszonen wird vorangetrieben. Marokko schafft eigen Freihandels- und Sonderwirtschaftszonen rund um die Regionen Tanger und Casablanca. Auch Investitionen in die Infrastruktur sowie in regenerative Energiequellen sind Teil der Gesamtstrategie.

Marokko verfolgt aber auch knallharte Interessen.

Der König verfolgt sowohl politische wie auch wirtschaftliche Interessen. Mit dem Monarchen reiste eine große Wirtschaftsdelegation. Auf der Reise wurden mit den Gastgebern umfangreiche Wirtschaftsabkommen im Bau- und Finanzsektor geschlossen, so dass die marokkanischen Topmanager lukrative Aufträge mitnehmen konnten. Alleine mit Ruanda wurden laut LeMonde France 19 Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Gleichzeitig kaufte die marokkanische Privatbank Attjariwafa, deren Hauptanteilseigner die königliche Holding SNI ist, die Compagnie General Bank (Cogebanque). Die Cogebanque ist die drittgrößte Bank in Ruanda. Damit erweitert die Attjariwafa Bank ihr bereits großes Engagement in Westafrika. In einem weiteren Abkommen verpflichtet sich Marokko sein Wissen im Bau von preiswertem Wohnraum zur Verfügung zu stellen und den Bau von ca. 6.000 Sozialwohnungen in der ruandischen Hauptstadt Kingali zu unterstützen.

Aber es geht um mehr als nur Aufträge, denn bereits jetzt soll Marokko einer der größten Investoren in Westafrika sein, wie LeMond France weiter ausführt und sich dabei auf Diplomatenauskünfte beruft. Durch die Schaffung von Freihandelszonen in Marokko möchte der König Investoren locken, die Marokko als Tor zum afrikanischen Markt nutzen möchten. Und diese Kalkulation könnte aufgehen, denn Marokko hat sich als politisch stabiles Land an den Grenzen Europas erwiesen, besitzt eine sehr junge Bevölkerung, die relativ gut ausgebildet sowie Mehrsprachig ist. Gleichzeitig ist das Lohnniveau günstig.

Marokko will und muss zurück in die Afrikanische Union.

Damit die Rechnung aber wirklich aufgehen kann, muss Marokko seine Beziehungen zu den afrikanischen Ländern wiederbeleben, die seit fast 30 Jahren eher stiefmütterlich gepflegt worden sind. Denn es hilft Marokko nichts, wenn man sich als wirtschaftliches Tor zu Afrika positionieren möchte, aber keine engen Beziehungen zu den meisten Ländern hat. Daher möchte Marokko zurück in die Afrikanische Union und hat dies bereits im Juni, in einem Brief, deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Rückkehr in die Union gestaltet sich nicht einfach, denn die Konfliktsituation mit einigen Mitgliedern der Union, die auch zum Ausstieg geführt hat besteht noch. Die Diskussion um den Status der Polisario ist zwischen den Mitgliedern und Marokko nicht beenden.

Charmeoffensive des Königs.

Um mehr Sympathie für die Haltung Marokkos zu schaffen und Unterstützer für den Wiedereintritt in die Afrikanischen Union zu bekommen, präsentiert sich Mohammed VI. als zugänglich und an den Kulturen der Gastländer interessierter Vertreter seines Landes. Dabei zeigt König Mohammed VI. durchaus sein Geschick für gute Bilder und greift dabei auch mal zur großen afrikanischen Trommel.

Aber nicht nur das Schlagen einer Trommel soll den westafrikanischen Ländern zeigen, dass man sie als wichtig erachtet. Vorkurzem hat Marokko seine Botschafter größtenteils ausgetauscht. Die neuen Botschafter in Nigeria, Tansania, Uganda und Äthiopien gelten als Kenner der Region.

Ob die Bemühungen des Königs erfolgreich sein werden wird die Zukunft zeigen. Bereits im kommenden Januar 2017 wird sich zeigen, ob Marokko wieder Teil der Afrikanischen Union werden kann. Die nächste Sitzung der afrikanischen Union findet dann in Addis Abeba statt.

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