Marokko – China an Zugstrecke Agadir – Marrakesch interessiert.

China mit großer Erfahrung mit Infrastrukturprojekten in Afrika

420
Hochgeschwindigkeitszug
Marokkanischer Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq

Wettstreit zwischen China und Frankreich belastet diplomatische Beziehungen zwischen Paris und Rabat.

Rabat – Marokko und seine Eisenbahngesellschaft ONCF sind sichtlich stolz auf ihre Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Tanger und Casablanca. Sie ist die erste Hochgeschwindigkeitsstrecke dieser Art, auf dem afrikanischen Kontinent. Zum Einsatz kommt dabei französische Technik. Dies sowohl für den Schienenausbau wie auch für die Züge, die dem TGV entsprechen. Gerade ein Jahr nach Fertigstellung und Inbetriebnahme wird über eine Erweiterung diskutiert. Es geht dabei nicht nur, um eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Casablanca nach Marrakesch, sondern auch um den erstmaligen Anschluss des Touristenzentrums Agadir an das nationale Schienennetz. Erst bei seiner letzten Rede an die Nation machte König Mohammed VI. deutlich, welche strategische Rolle er der Region Agadir, als geographische, wirtschaftliche und politische Mitte des Landes, zuweisen will. Der König forderte von seiner Regierung „ernsthafte Anstrengungen“ für den Bau einer Eisenbahnverbindung bis nach Agadir.

Lesen Sie auch: Marokko – Königliche Rede zum 44. Jahrestag „Grüner Marsch“

China bewirbt sich, um den Auftrag Agadir – Marrakesch

Bisher ist man in Marokko und Frankreich davon ausgegangen, dass man weiter gemeinsam die Modernisierung und den Ausbau des nationalen Schienennetzes vorantreiben wird. Frankreich betrachtet Marokko, als seine politische und wirtschaftliche Einflusssphäre. Basierend auf der Annahme, das Marokko vorrangig auf französische Technik setzt, ist man in Paris vom erneuten Auftreten Chinas überrascht. Die China Railway Construction Corp, die auf den Bau von Eisenbahninfrastruktur spezialisiert ist, hat sich hinter den Kulissen positioniert. Das berichtet Maghreb Confidential. Die aktuellen Gespräche zwischen der marokkanischen ONCF und China Railway haben danach dazu geführt, dass die weiteren Verhandlungen zwischen Marokko und Frankreich hinausgezögert werden. Das mutmaßliche Angebot der Chinesen soll sehr wettbewerbsfähig sein. Bereits im Jahr 2016 hat es Gespräche bzgl. der Strecke Marrakesch – Agadir zwischen China und Marokko gegeben. Allerdings ohne Ergebnis. Nun scheinen die Chinesen aber fest entschlossen das Projekt für sich zu gewinnen.

Frankreich verärgert über die Einbeziehung Chinas.

Seit Wochen scheinen die eigentlich engen diplomatischen Beziehungen zwischen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und dem Königreich Marokko abgekühlt zu sein. Für dieses Jahr war eigentlich ein Besuch des Französischen Präsidenten Macron geplant. Erwartet wurde, dass er anlässlich des ersten Betriebsjahres des marokkanischen TGVs nach Marokko reisen würde.

Mohammed VI.
König Mohammed VI. und Präsident Emmanuel Macron geben Startschuss für Afrikas ersten Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq.

Doch am Jahrestag reiste lediglich der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian nach Rabat. Man fühlt sich an den Streit zwischen dem ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy und König Mohammed VI. erinnert, als Marokko sich dazu entschloss, zukünftig Kampfflugzeuge aus den USA zu beziehen und nicht mehr aus Frankreich. Kritiker des marokkanischen Hochgeschwindigkeitsprojekts behaupten gar, dass Marokko lediglich zu Kompensationszwecken sich für den TGV und nicht für den deutschen ICE entschied und das Projekt ohne Ausschreibung an Frankreich vergab.

TGV
König Mohammed VI. gibt Start für das Projekt TGV (LGV).

Absichtserklärung zwischen China und Marokko seit 2016.

Bei seinem Besuch in China hatte Marokkos König 2016 bereits das Projekt in Peking angesprochen. Wenige Wochen danach unterzeichneten die China Railway Corp. und die marokkanische ONCF eine Absichtserklärung, die sich konkret auf den Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Marrakesch und Agadir bezog. Mehrfach kamen chinesische Beamte und Projektexperten nach Marokko, um ein mögliches gemeinsames Projekt durchzusprechen. An diese Gespräche haben die Chinesen nun Marokko erinnert und den Faden wieder aufgenommen.

Quelle MAP – Chinesische Delegation zu Verhandlungen über Eisenbahnprojekt in Marokko 12 2016

China mit großer Erfahrung mit Infrastrukturprojekten in Afrika

Frankreich hat den marokkanischen TVG und den Bau der ersten Strecke von Tanger nach Casablanca mit einem Kredit von über einer Milliarde Euro finanziert und damit 51% der Kosten vorgestreckt. Der Rest kam aus den Golfstaaten und von internationalen sowie nationalen Banken. Doch auch China hat ohne Zweifel die nötigen Finanzmittel. Darüber hinaus hat man große Erfahrung mit dem Bau von Infrastruktur in Afrika. Überall auf dem afrikanischen Kontinent errichtet China Straßen, Brücken, Kraftwerke und vieles mehr. Dabei finanziert man die Projekte oft vor und lässt sich von den Staaten mit Rohstoffen bezahlen. Wie der Wettbewerb ausgeht, bleibt abzuwarten. Ein möglicher Kompromiss wäre, dass China ggf. nach französischen Vorgaben, das Schienennetz verlegt und Frankreich die Antriebs- und Steuerungstechnik liefert.

Frankreichs Kooperationsbereitschaft ist begrenzt.

Ob das Frankreich reicht, ist eher unwahrscheinlich. Die Einbeziehung Chinas könnte von Paris als zu vermeidender Präzedenzfall betrachtet werden. Ein einflussreiches China im wichtigsten Partnerland in Afrika könnte als zu hohes politisches Risiko gesehen werden. Beide Länder brauchen einander. Frankreich schützt, gemeinsam mit den USA, Marokko im UNO-Sicherheitsrat, vor unangenehmen Resolutionen in Bezug auf die Westsahara. Ein Schutz auf den man in Rabat nicht verzichten kann. Im Gegenzug wird Marokko zunehmend zu Werkbank französischer Konzerne. Zugleich sind die wirtschaftlichen Verflechtungen umfassend und eng. Marokko ist für Frankreichs Wirtschaft nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, sondern auch ein Zugangstor zu Afrika. Es ist zu erwarten das Frankreich Druck aufbauen wird, um China bei solchen Projekten aus Marokko herauszuhalten. Ähnlich wie es bereits gelungen ist, Deutschland aus Nordafrika herauszuhalten. Doch Marokko könnte gut beraten sein, sich breiter aufzustellen, denn auch China ist ein ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat.

Empfohlener Artikel