Marokko – Harter Sanierungsplan bei Royal Air Maroc

Royal Air Maroc will Flugzeuge abstoßen.

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Royal Air Maroc Dreamliner 787-9 Aeroport Mohammed V. Casablanca

Umfangreicher Personalabbau und Verkauf von Flugzeugen.

Casablanca – Der Sanierungsplan der marokkanischen – staatlichen Fluggesellschaft Royal Air Maroc nimmt deutliche Konturen an. Die größte Fluggesellschaft des Landes ist, im Zuge der Coronavirus – Pandemie und den weltweiten Reisebeschränkungen, in ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Rund drei Monate stand der größte Teil der Flotte, bis auf Sonderflügen, am Boden. Die Einnahmen tendierten gegen Null und die Ausgaben blieben für Personal und Wartung überwiegend konstant. Doch mit Blick auf den weltweit geschrumpften Reisemarkt, in Folge der Coronavirus-Pandemie ist die Existenzfähigkeit mehr als gefährdet. Daher hat der marokkanische Staat bereits offiziell mitgeteilt, der Fluggesellschaft mit einer Finanzspritze von sechs Milliarden marokkanischen Dirham (ca. 550 Mio. EURO) unter die Arme greifen zu wollen. Doch das scheint für die nächsten Monate und für das grundsätzliche Fortbestehen der Fluggesellschaft nicht ausreichend zu sein. Jetzt soll ein harter Sparkurs umgesetzt werden.

Royal Air Maroc entlässt ca. 30% der Belegschaft

Nach marokkanischen Medienberichten verlor die Royal Air Maroc monatlich 95 Mio. EURO während des Lockdowns. Abdehamid Addou, Chef der Airline, erwartet frühestens 2023 eine Rückkehr zum alten Nachfrageniveau.

Terminal
Royal Air Maroc CheckIn Flughafen

Deshalb hat er ein drastisches Sparprogramm angekündigt. Als Reaktion auf die neue Marktsituation und auf die Einnahmeneinbußen will man die internen Kosten durch einen massiven Stellenabbau drücken. In den ersten Gesprächen mit den Gewerkschaften ist die Rede von ca. 30% der Mitarbeiter. Dabei soll es vor allem fliegendes Personal treffen. Im Gespräch ist die Freisetzung von 180 Pilotinnen und Piloten sowie 500 Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter. Dabei will man teilweise sozialverträglich vorgehen. Mitarbeiter die weniger als drei Jahre dabei sind, müssen als erstes gehen. Ebenfalls will man älteren Mitarbeitern im Alter von mehr als 57 Jahren einen freiwilligen Stellenverzicht anbieten.

Staat hilft durch weitere Maßnahmen.

Auch bei der zukünftigen Ausbildung von Piloten will man sparen und ruf dabei wieder nach dem marokkanischen Staat. Im letzten Ministerrat, unter Leitung von König Mohammed VI., wurde ein Dekret angenommen, wonach die Royal Air Maroc auf die Ressourcen der königlichen Luftwaffe zurückgreifen kann. Damit kann die Fluggesellschaft ihre Piloten zukünftig wesentlich kostengünstiger ausbilden und sogar auf den ausgebildeten Pilotenbestand des Militärs zurückgreifen. Aktuell hat Marokko seine Außengrenzen teilweise durchlässiger gestaltet, so das Aus- und Einreisen begrenz möglich sind. Allerdings können zugelassene Reisende über den Luftweg nur per Royal Air Maroc und Air Arabia Maroc einreisen, wobei sich die beiden Fluggesellschaften durch zugewiesene Strecken keine Konkurrenz machen können. Andere internationale Fluggesellschaften sind bisher nicht zugelassen. Damit schützt Marokko die eigene Airline vor Wettbewerber, hier vor allem Billigairlines.

Royal Air Maroc will Flugzeuge abstoßen.

Mit den oben genannten Maßnahmen ist es wohl nicht getan. Die Airline will sich nach Medienberichten auch von Flugzeugen trennen. Wie das Fachportal aero Telegraph berichtet, sollen 20 Flugzeuge stillgelegt oder abgestoßen werden. Dazu sollen 12 Boeing 737 genauso gehören wie auch die letzten vier Embraer E190 Kurzstreckenflugzeuge. Für die Fluggesellschaft besonders bitter und Image schädigend könnte es werden, wenn sich bestätigt, dass auch mehrere der erst 2018 mit viel Stolz erworbenen Langstreckenflugzeuge des Typs Dreamliner abgegeben oder stillgelegt werden müssen. Im Gespräch ist die Stilllegung von bis zu vier der neun Boeing 787. Derzeit besteht die Flotte aus 58 Flugzeugen.

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