Marokko – IWF lobt marokkanische Wirtschaftspolitik

Wirtschaftspolitik, Staatshaushalt, Wachstumsaussichten wurden bewertet.

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IWF
Internationaler Währungsfond IWF

Beobachtermission des IWF stellt ein relativ positives Zeugnis aus.

Washington – Nach dem Besuch einer Beobachterdelegation lobt der IWF die Bemühungen Marokkos bei der Umsetzung von wirtschaftlichen Reformen. Verbesserte Verwaltung der öffentlichen Finanzen, eine widerstandsfähigere Wirtschaft, ein verbessertes Geschäftsklima, das sind die Feststellungen der IWF Delegation, nach ihrem Besuch im Königreich. Im Rahmen seiner Beobachtung des globalen Währungssystems entsendet der IWF in der Regel jedes Jahr Teams von Ökonomen in seine 189 Mitgliedsländer, um die Situation vor Ort zu bewerten und mögliche Anpassungen der Wirtschafts- oder Finanzpolitik empfehlen zu können. Der Bewertungsbericht basiert auf dem sog. „Konsultationsverfahren“ nach Artikel IV der IWF Richtlinien.

Beobachtungsteams des IWF für zwei Wochen in Marokko.

In Marokko hat dieses Konsultationsverfahren des IWF zwei Wochen gedauert und fand vom 19. März bis 3. April 2019 statt. Nun veröffentlichte der IWF seine Ergebnisse, denen zufolge eine bessere öffentliche Finanzverwaltung, eine widerstandsfähigere Wirtschaft und ein verbessertes Geschäftsklima zu erkennen sind. Es gibt aber auch Kritik.

Zwei Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, bestehen in der Bekämpfung der Korruption und der Arbeitslosigkeit.

Nach dieser allgemein positiven Vorbemerkung ermutigen die Ökonomen des IWF Marokko, seine wirtschaftliche Diversifizierung und die Reform des öffentlichen Sektors fortzusetzen, um die Korruption zu bekämpfen, aber auch die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit, „insbesondere unter jungen Menschen“, zu senken.

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Wirtschaftspolitik, Staatshaushalt, Wachstumsaussichten wurden bewertet.

Wirtschaftspolitik

„Die marokkanische Wirtschaft profitiert weiterhin von der Verfolgung einer umsichtigen makroökonomischen Politik und von Strukturreformen“, heißt es in dem Bericht. Dies resultiere aus einem „verbesserten Steuermanagement und aus einer Diversifizierung der Wirtschaft, was diese widerstandsfähiger gemacht habe“. Die weiter anhaltend hohe Arbeitslosigkeit (9,8 Prozent im Jahr 2018 gegenüber 10 Prozent im Jahr 2017, nach Angaben des Büros der Hohen Kommission für Planung HCP), insbesondere bei jungen Menschen, dämpft die positiven Effekte. Über die durchgeführten positiven Reformen hinaus betont der Bericht, dass „die Qualität der Bildung, das Funktionieren des Arbeitsmarktes und die Erwerbsquote der Frauen sowie das Unternehmensumfeld verbessert werden müssen“.

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Wachstumsaussichten und Konjunkturentwicklung

„Das Wirtschaftswachstum erreichte 2018 3%, während die Inflation auf 1,9% stieg und das Kreditwachstum bei 3,3% blieb“, so der IWF. Im Jahr 2019 sollte sich dieses Wirtschaftswachstum dank der Erholung der nichtlandwirtschaftlichen Wertschöpfung stabilisieren, um „dann mittelfristig 4,5% zu erreichen“, dank der Fortsetzung der Strukturreformen.

Trotz des Exportwachstums stellt der IWF fest, dass der Anstieg des Leistungsbilanzdefizits (5,4% des BIP) insbesondere auf „die Auswirkungen des Anstiegs der Ölpreise und des Rückgangs der Zuschüsse“ (Anm. des Autors: Zuschüsse aus den Golfstaaten) zurückzuführen ist.

Mit Blick auf mögliche Krisensituationen, weist der IWF darauf hin, dass „die Devisenreserven auf einem komfortablen Niveau geblieben sind, die etwa fünf Monaten der benötigten Importen abdecken“.

Staatshaushalt

„Die Entwicklung Ende Dezember entsprach dem Ziel der Behörden, im Jahr 2018 ein Haushaltsdefizit von 3,7 % des BIP zu erreichen“. Für 2019 stellt die Beobachterdelegation fest, dass das Ziel darin besteht ein Defizitwachstum zu vermeiden (ohne Privatisierungserlöse).

Der IWF geht davon aus, dass die Steuerreform, die auf einer Konferenz im Mai diskutiert werden soll, „die Besteuerung effizienter, gerechter und wachstumsfreundlicher gestalten und gleichzeitig zum Ziel der Behörden beitragen wird, die Staatsverschuldung auf 60% des BIP zu senken“. Die Ergebnisse der Steuerreform können aus Sicht des IWF zur Verbesserung der Infrastruktur und des Sozialsystems genutzt werden.

Für die Privatisierungspläne und die Bemühungen des Staates, die Aktivitäten öffentlicher Unternehmen auf ihre Kerngeschäfte auszurichten, gab es ebenfalls Lob.

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Finanzsektor

Aus Sicht des IWF ist „der Finanzsektor gut kapitalisiert, und die Risiken für die Finanzstabilität sind begrenzt“, auch wenn die Zahlungsausfälle nach wie vor relativ hoch sind, „aber sie sind rückläufig und gut abgesichert“.

Der IWF ermutigt die marokkanischen Behörden, die Kreditkonzentration weiter zu verringern und die mit der Expansion marokkanischer Banken in Afrika verbundenen Risiken, durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden des Gastlandes, zu begrenzen.

Fazit

Abschließend betont der IWF, dass sich das marokkanische Geschäftsklima weiter verbessert, insbesondere durch die Aktivierung des Wettbewerbsrates und die Umsetzung einer neuen Strategie zur finanziellen Gesundung, die zur Förderung des Wettbewerbs und zur Unterstützung der Entwicklung von KMUs beitragen wird.

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