Marokko – Rekordgeschwindigkeit des marokkanischen TGV mit 357 km/h

Hochgeschwindigkeitszug in Marokko nicht unumstritten.

Al Boraq
Marokkanischer TGV bekommt eigenen Markennamen "Al Boraq"

Hochgeschwindigkeitszug Al Boraq erreicht bei Testfahrten neue Rekordgeschwindigkeit.

Rabat – Der marokkanische Hochgeschwindigkeitszug des französischen Typs TGV wird weiterhin auf der Neubaustrecke zwischen Tanger und Kenitra getestet. Nun tauchte auf Youtube ein aktuelles Video zu den Testfahrten auf. Das wohl von der marokkanisch-staatlichen Eisenbahngesellschaft ONCF stammende Video, zeigt Aufnahmen des von Marokko mit dem Namen Al Boraq bezeichneten Zuges. Von einem Helikopter aus, wird der Zug bei der Vorbeifahrt an einer Messstelle gezeigt. Laut der Videobeschreibung soll der Zug dabei eine Höchstgeschwindigkeit von 357 km/h erreicht haben. Das wäre für Al Boraq ein neuer Höchstwert und die bisher schnellste Fahrt eines Zuges auf dem afrikanischen Kontinent. Das Potential der TGV – Technik ist damit aber nicht ausgeschöpft. Auf einer Testfahrt zwischen Paris und Baudrecourt erreichter ein TGV eine Geschwindigkeit von 574,8 km/h (am 03.04.2007).

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Start des Regelbetriebs noch für dieses Jahr geplant.

Anfang dieses Monats kündigte die ONCF den Start des Regelbetriebs noch für dieses Jahr an. Dabei spricht man bei der ONCF vom letzten Quartal 2018. Das stellt eine Verzögerung von mehreren Wochen da. Anfang des Jahres wurde von Seiten des Ministeriums für Infrastruktur von einem Start des Regelbetriebs noch vor dem muslimischen Opferfest gesprochen. Das wäre rund um den 21. August dieses Jahres gewesen. Bei kürzlich erfolgten Testfahrten hat man Bodenabsenkungen an einigen Stellen der Neubaustrecke entdeckt. Insbesondere die Veränderungen an einem Abschnitt der über einen Damm führt, die zwar nur wenige Zentimeter betragen sollen, sind, bei den geplanten Reisegeschwindigkeiten von bis zu 320 km/h, bereits ausreichend, um das Projekt aus Sicherheitsgründen zu verzögern. Marokkanische Medien befürchten eine Verzögerung von ca. zwei Monaten, was zu der neuen Aussage der ONCF, hinsichtlich des Starts des Regelbetriebs, passen würde.

Hochgeschwindigkeitszug in Marokko nicht unumstritten.

Die Investitionen in einen Hochgeschwindigkeitszug waren und sind in Marokko nicht unumstritten. Kritiker halten den Verantwortlichen vor, dass es sich dabei um ein reines Prestigeprojekt handelt, dessen Rentabilität bezweifelt werden muss. Andere glauben, dass die Investitionen in die Hochgeschwindigkeitsstrecke, angesichts sozialer Nöte, an anderen Stellen für die Gesellschaft wirksamer gewesen wären.

TGV
Marokkos TGV kurz vor dem Start.

Befürworter wollen das Projekt dazu nutzen, um die Leistungsfähigkeit sowie Offenheit der marokkanischen Wirtschaft und Gesellschaft zu untermauern, um so Investoren für das Königreich zu gewinnen oder sich als fortschrittlicher Partner Afrikas zu präsentieren. Der Hochgeschwindigkeitszug soll zukünftig die Städte Tanger, Rabat und Casablanca verbinden und die bisherige Reisezeit um 50% verkürzen. Neben den Problemen auf der Neubaustrecke sind auch die neuen Bahnhöfe bzw. Erweiterungen, vor allem in Rabat-Agdal und Casablanca-Voyageurs, noch nicht fertiggestellt. Alleine die Neubaustrecke und die Zuginfrastruktur sollen offiziell drei Milliarden Euro gebunden haben. Kritiker vermuten eine deutlich höhere Summe.

Al Boraq erster Hochgeschwindigkeitszug Afrikas

Ob Kritiker oder Befürworter recht behalten, wird die Zukunft zeigen müssen. Die marokkanische Hochgeschwindigkeitsstrecke, die mit technischer und finanzieller Hilfe Frankreichs und Finanzmittel aus Qatar in Marokko realisiert wurde, wäre die erste Strecke ihrer Art in Afrika.

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