Marokko – Trotz Inflation hält Zentralbank den Leitzins bei 1,5% stabil.

Leitzins bleibt zunächst bis September stabil bei 1,5%.

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Marokkanischen Zentralbank
Abdellatif Jouahri Chef der marokkanischen Zentralbank

Bank Al Maghrib geht für 2022 von einen BIP – Wachstum von 1% und einer Inflation in Höhe von 5,3% aus.

Rabat – Selten wurde eine Sitzung des Vorstands der marokkanischen Zentralbank mit größerer Spannung erwartet, angesichts der politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen im In- und Ausland.

Bereits im Vorfeld wurde darüber spekuliert, ob auch die Bank Al Mabhrib auf die steigenden Preise und damit der Inflation durch Drehen an der Zinsschraube reagieren wird, ähnlich wie die FED in den USA oder die britische Zentralbank, Bank von England. Auch die EZB hat für Juli und September das Ende der Null-Zinspolitik für den Euro-Raum angekündigt und beginnt nun, wenn auch aus Sicht von Beobachtern recht zögerlich, die Inflation zu bekämpfen.

Sitzung zum 1. Quartal 2022 von Kontinuität gekennzeichnet. Niedriges Wirtschaftswachstum und hohe Inflation für dieses Jahr erwartet.

Die heutige Sitzung des Vorstands der marokkanischen Zentralbank war gekennzeichnet, von den aktuellen Prognosen für das laufende Jahr, die auf den ersten Werten aus dem 1. Quartal 2022 basieren. „Die Verbraucherpreise stiegen in den ersten vier Monaten des Jahres deutlich an, vor allem aufgrund der hohen Energie- und Lebensmittelpreise und der beschleunigten Inflation bei den wichtigsten Handelspartnern, mit einem durchschnittlichen Anstieg von 4,5% im Jahresvergleich“, so BAM in einer Pressemitteilung nach der zweiten vierteljährlichen Sitzung des Rates für das Jahr 2022.

Dieser Trend dürfte sich kurzfristig fortsetzen: „Die Inflation wird nach den Prognosen der Bank für das gesamte Jahr 5,3% erreichen, bevor sie sich 2023 auf 2% abschwächt“, heißt es von Seiten der Zentralbank weiter.

Das Wirtschaftswachstum würde 2022 aufgrund des Rückgangs der Getreideproduktion in diesem Jahr bei 1% liegen und sich dann 2023 unter der Annahme einer Getreideernte von 75 Millionen Doppelzentnern (Mqx) auf 4% beschleunigen, so die Prognose der BAM weiter. Im Jahr 2021 lag das allgemeine Wirtschaftswachstum bei 7,9% bei einer sehr guten Weizenernte.

Alles ist von einer günstigen Ernte und einem hohen Weizenertrag abhängig.

Aufgrund der ungünstigen Wetterbedingungen (Dürre) würde die Getreideproduktion nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums im Jahr 2022 um 69% auf 32 Millionen Doppelzentner (Mqx) zurückgehen, erinnert die Erklärung. Die landwirtschaftliche Wertschöpfung werde sich 2023 um 12,9% verbessern, wenn man von einer durchschnittlichen Getreideernte von 75 Mio. Quadratmetern ausgeht.

Das Wachstum der nicht-landwirtschaftlichen Aktivitäten dürfte sich aufgrund der Lockerung der Gesundheitsbeschränkungen auf 3,8% konsolidieren und 2023 mit einem Wachstum von 2,8% wieder auf den Wachstumspfad zurückfallen, schätzt die BAM.

Leitzins bleibt zunächst bis September stabil bei 1,5%.

Passend zu den Erwartungen der wichtigsten Investoren in Marokko hat die Zentralbank den Leitzins nicht angepasst und ist damit nicht den wichtigsten Zentralbanken im Ausland gefolgt. Auf der heutigen Sitzung gab sie bekannt, dass man die weitere Wirtschaftsentwicklung im In- und Ausland weiter beobachten und auch die Investitionsfreude in Marokko nicht beschränken möchte. Daher soll der Leitzins zunächst unverändert bleiben. Der Chef der Zentralbank, Abdellatif Jouahri, kündigte aber an, dass man im September dieses Jahres die Lage neu bewerten wird.
Zuvor ergab eine Erhebung des Forschungsinstituts Attijari Global Research (AGR) bei 35 Investoren, die als die einflussreichsten am Markt gelten, dass man sich einig darüber ist, dass der Leitzins wohl zunächst stabil gehalten werden wird. Ebenfalls einig war man sich aber darüber, dass die Wirtschaftsteilnehmer mit steigenden Zinsen rechnen müssen. In der vorherigen Ausgabe vom Dezember 2021 rechnete kein einziger Anleger mit einer Erhöhung des Leitzinses. Inzwischen rechnen 37% der Befragten damit. Im Dezember 2021 hatten 80% der Befragten mit einer Beibehaltung gerechnet. Im Juni 2022 teilten 63% der Befragten diese Einschätzung.

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