Marokko – Abwertung des Dirhams um 7% bis 2019 erwartet.

Anstieg der Inflation auf ca. 2% erwartet.

Dirhams
JP Morgan erwartet Wertverlust des Dirhams um bis zu 7% binnen 12 Monate.

JP Morgan prognostiziert einen 7%igen Wertverlust der marokkanischen Landeswährung Dirham.

New York / Casablanca – Seit Anfang der Woche gilt in Marokko ein verändertes Wechselkurssystem. Die marokkanische Regierung und die marokkanische Zentralbank schwächen ihren direkten Einfluss auf den Wechselkurs ab. Hintergrund ist, dass man schrittweise weg von einem rein staatlich festgelegten hin zu einem frei am Devisenmarkt ermittelten Wechselkurs kommen möchte. Der Wert des Dirhams soll so mehr Glaubwürdigkeit bekommen und die Wettbewerbsfähigkeit Marokkos stärken.

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Dadurch soll im Ausland das Vertrauen in die marokkanische Landeswährung Dirham gestärkt werden. Bei staatlich festgelegten oder zumindest sehr beeinflussten Wechselkursen hat der Finanzmarkt Sorge, dass der Kurs künstlich zu hoch oder zu niedrig festgesetzt wird, um z.B. politische Ziele zu verfolgen. Mit dem vergangen Montag setzt Marokko seine Währung nun stärker dem Markt aus. Dies ist auch eine Forderung des IWF gewesen, damit weiterhin Kredite an Marokko gewährt werden können.

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Amerikanische Bank JP Morgan gibt Einschätzung zur Entwicklung der marokkanischen Währung bekannt

Die Bekanntgabe der marokkanischen Zentralbank Bank Al Magrib, den Wechselkurs schrittweise zu liberalisieren, hat von Beginn an Besorgnis ausgelöst. Bei allen Marktakteuren in Marokko sorgt man sich um eine spürbare Abwertung der Landeswährung Dirham. Diese Sorge nährt jetzt eine kürzlich veröffentlichte Analyse der amerikanischen Großbank JP Morgan. Nach Einschätzung der Devisenanalysten und der Emerging Markets Research Abteilung der Großbank, gibt es aktuell keine Anzeichen für eine „offensichtliche“ Überbewertung des Dirham. Dennoch geht man davon aus, dass die marokkanische Landeswährung bis zu 7% an Wert bis 2019, also binnen 12 Monate, verlieren könnte.

Dirham
Marokkanische Währung könnte bis zu 7% binnen 12 Monaten an Wert verlieren.

Anstieg der Inflation auf ca. 2% erwartet. Wechselkurs zum Dollar steigt auf 11,18 MAD.

Die Analysten von JP Morgan gehen davon aus, dass die Währungsabwertung die Inflation deutlich erhöhen wird. Derzeit geht man in den USA davon aus, dass Marokko eine der niedrigsten Inflationsraten weltweit hat, von gerade mal 0,7%. Das wird aber nicht so bleiben. Wenn der Wert der Währung Dirham tatsächlich um 7% fällt, dann erwartet JP Morgan eine Inflation von ca. 2%. Auch für den Wechselkurs zum Dollar, mit dem Marokko alle seine Energieträger bezahlt, steigt. Marokko muss mehr Dirham für einen Dollar aufwenden. So glaubt man in New York, dass man nicht mehr wie aktuell 10,47 MAD, sondern 11,18 MAD pro US-Dollar aufwenden muss und dies bei einem gegenüber dem Euro schwächer werdenden US Dollar. Damit wird sich der Wertverlust des Dirhams, besonders bei Energieträgern wie Erdöl und Gas, bemerkbar machen. Letztendlich sind alle Importprodukte dann teurer.

Schwankungsbreite oder Leitkurs könnten zeitnah angepasst werden.

Damit prognostizieren die Analysten, dass die von der Zentralbank und der marokkanischen Regierung definierte Schwankungsbreite von 2,5% um den Leitkurs nicht zu halten ist. Zwar könnte die Zentralbank die Schwankungsbreite formell nicht sofort vergrößern, aber den Leitkurs nach unten anpassen müssen. Der Leitkurs orientiert sich am Devisenkorb der marokkanischen Zentralbank, der hauptsächlich aus Dollar und Euro besteht.

Alternativ könnte die Zentralbank ihre Zurückhaltung aufgeben und binnen weniger Monate schon den nächsten Schritt wagen. Dies hieße, doch die Schwankungsbreite vergrößern. Von dieser letzten Alternative gehen die Analysten von JP Morgan ab dem dritten Quartal 2018 aus. Besonders spürbar wird es, wenn beide Effekte zusammenkommen. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, welchen Einfluss die Flexibilisierung des marokkanischen Wechselkurses auf die Wirtschaft haben wird. Hauptsächlich fürchtet man einen Anstieg der Inflation. Sicher wird sein, dass auch die Währungsspekulation neue Nahrung erhalten wird. Auch eine Kapitalflucht kann nicht ausgeschlossen werden. Die letzte Spekulation hat die marokkanische Zentralbank mindesten 1,6 Milliarden US-Dollar an Devisen gekostet.

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