Marokko – Staat verkauft Anteile an Maroc Telecom.

Mögliche Einnahmen für den Staat bei ca. 9,6 Milliarden MAD

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Maroc Telecom
Maroc Telecom Rabat

Finanzministerium setzt Privatisierung von Staatseigentum um.

Casablanca – In einer am vergangenen Freitag veröffentlichten Pressemitteilung des größten marokkanischen Telekommunikationskonzerns, Maroc Telecom, gibt dieser bekannt, dass der Staat sich von Anteilen trennen wird. Der Konzern wurde vom marokkanischen Finanzministerium über die Absicht informiert, dass der Staat seine noch vorhandenen Anteile am Unternehmen in Teilen verkaufen wird. Diese Maßnahme zielt darauf ab, das Haushaltsdefizit, gemäß des verabschiedeten Haushaltsgesetzes (Finanzgesetzes 2019), zu reduzieren.

Marokkanischer Staat will ca. 8% an Maroc Telecom verkaufen.

In der Pressemitteilung von Maroc Telecom vom 31. Mai informierte der Konzern darüber, dass die marokkanische Regierung „in den kommenden Wochen einen Anteil von maximal 8% am Aktienkapital“ des Telekommunikationskonzerns verkaufen will. Der Verkauf erfolgt „durch die Platzierung von Aktienpaketen in Form eines öffentlichen Angebot an der marokkanischen Börse“, so die Pressemitteilung des Unternehmens, das ebenfalls an der Pariser Börse notiert ist.

Mögliche Einnahmen für den Staat bei ca. 9,6 Milliarden MAD

Die aktuelle Bewertung von Maroc Telecom an der Börse von Casablanca liegt bei ca. 120 Milliarden marokkanische Dirham (MAD) bzw. 11,03 Milliarden Euro*. Nach allgemeinen Informationen soll der marokkanische Staat noch ca. 30% an der Maroc Telecom halten. Ein Verkauf von ca. 8% am Konzern könnte, bei gleichbleibendem Aktienkurs, ca. 9,6 Milliarden MAD bzw. 880 Millionen Euro* erbringen. Die Erlöse sollen direkt in den laufenden Staatshaushalt fließen.

Weitere Privatisierungen geplant.

Der Verkauf der Anteile am Konzern ist nur eine von mehreren verabschiedeten Privatisierungsmaßnahmen Marokkos. Weitere werden verhandelt. Darunter auch ein Verkauf des weltberühmten Hotels La Mamounia in Marrakech. Das Finanzministerium hat in der Vergangenheit Gerüchten widersprochen, dass auch Teile der staatlichen Eisenbahngesellschaft ONCF zum Verkauf stehen würden.

Finanz- und Wirtschaftsminister
Mohamed Benchaaboun – Marokkanischer Finanz- und Wirtschaftsminister

Dass die Aktien der Maroc Telecom an der Börse und öffentlich verkauft werden, bedeutet, dass kein Investor gefunden wurde, an den man das Aktienpaket direkt hätte verkaufen können, ohne das Risiko eines nicht sicheren Erlöses an der Börse. Weshalb man sich im Finanzministerium in Rabat für den Weg über das Börsenparkett entschieden hat, wurde nicht mitgeteilt. Letztendlich ist aber ein Verkauf der Aktien an der Börse ein schneller Weg der Veräußerung ohne langwierigen Verhandlungen mit potentiellen Investoren.

Privatisierung von Staatseigentum nicht unumstritten

„Wenn der Staat außerplanmäßige Einnahmen, wie es Erlöse aus Verkäufen von Beteiligungen darstellen, verwendet, bedeutet dies einfach, dass die normalen Einnahmen nicht ausreichen“, erklärte der Ökonom Mehdi El Fakir vor einigen Monaten gegenüber dem Nachrichtenmagazin Telquel zu diesem Thema. Damit deutet er an, dass solche Maßnahmen aus der Not ergriffen werden und nicht nachhaltig sind und der Staat seinen Haushalt anpassen sollte. Rachid Achachi, Ökonom und Forscher an der Ibn Tofaïl University in Kenitra, erklärte seinerseits: „Die Privatisierung des staatlichen Vermögens ist eine nicht erneuerbare Munition, die es der Regierung ermöglicht, Zeit zu gewinnen“.

Der Aktienkurs der Maroc Telecom lag am Freitag an der Börse von Paris bei 12,36 Euro. An der Börse von Casablanca lag der Aktienkurs am 31. Mai bei 135,75 MAD.

*Wechselkurs Stand 31. Mai 2019

Marokko – Maroc Telecom veröffentlich Ergebnis Q1 2019

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