Marokko – Kampf gegen Hunger zeigt positive Ergebnisse.

Deutlich positive Entwicklung in den letzten 20 Jahren.

450
Menschen
Lebensmittel in teils begrenzter Menge und Qualität erreichbar

Königreich nimmt in Afrika Platz 2 und international Platz 42 im Welt Hunger Index ein.

Bonn/Dublin – Einmal im Jahr wird der sog. Global Hunger Index (GHI) bzw. der Welt Hunger Index veröffentlicht (WHI). Die Deutsche Welthungerhilfe e.V. und die irische Concern Worlwide Organisation bilden dabei ein Ranking über 117 Länder ab, das die meisten Staaten dieser Welt an der Verbreitung des Hungers im Land auflistet. Der GHI soll das Bewusstsein und das Verständnis für den Kampf gegen den Hunger schärfen, einen Weg zum Vergleich des Hungers zwischen Ländern und Regionen bieten und auf die Regionen der Welt aufmerksam machen, in denen der Hunger und wo der Bedarf an zusätzlichen Anstrengungen zur Beseitigung des Hungers am größten ist.

Einstufung anhand von mehreren Kriterien

Der Index basiert auf vier Kriterien: dem Anteil der unterernährten Bevölkerung, dem Prozentsatz der Kinder unter fünf Jahren, die ein zu geringes Gewicht haben, dem Prozentsatz der Kinder unter fünf Jahren, die eine zu geringe Körpergröße haben und der Sterblichkeitsrate der Kinder unter fünf Jahren.

Marokko belegte in Afrika den zweiten und in der arabischen Welt den vierten Platz.

Marokko belegt, laut der am 14. Oktober veröffentlichten Rangliste des Global Hunger Index (GHI) 2019, weltweit Platz 42. In Afrika liegt das nordafrikanische Königreich auf Platz 2 und in der arabisch/islamischen Welt auf Platz 4. Im Ranking erreicht Marokko einen Indexwert von 9,4. Dabei klassifiziert man jedes Land entsprechend seines Indexwertes ein. Ein Wert für die Verbreitung von Hunger unter 9,9 gilt als „gering“, ein Wert von 10,0 bis 19,9 als „mäßig“, bei einem Wert von 20,0 bis 34,9 spricht man von „ernst“, ein Indexwert von 35,0 bis 49,9 weist auf eine „sehr ernste“ Lage hin und ein Wert ab 50 steht für eine gravierende Hungersituation. Marokko würde so in den Bereich für „gering“ Fallen.

Welt Hunger Index
Quelle GHI – Einordnung Marokkos in das Spektrum Belastungen durch Hunger

Deutlich positive Entwicklung in den letzten 20 Jahren.

Insbesondere seit dem Jahr 2000 hat Marokko messbar erfolgreich die Ernährungssituation im Land verbessert. Im Jahr 2000 hatte Marokko noch einen Indexwert von 15,8. Im Jahr 2005 lag dieser sogar bei 17,7 und die „Hungersituation“ drohte, nach mehreren schlechten Ernten, von „mäßig“ in den Bereich „ernst“ zu geraten. Bis zum Jahr 2019 gelang es den Wert praktisch zu halbieren. Die Studie spricht davon, dass derzeit 3,4% der Menschen in Marokko von einer unzureichenden Ernährung bzw. Unterernährung betroffen sind. Bei einer angenommenen Bevölkerung von 34,4 Millionen Menschen* sind von Hunger ca. 1,17 Millionen Marokkanerinnen und Marokkaner betroffen. Im Jahr 2000 lag die Bevölkerungszahl des Königreiches bei 28,8 Millionen*. Davon waren ca. 6,8% oder rund 1,96 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Trotz des deutlichen Bevölkerungswachstums konnten sowohl die relativen Werte wie auch die absolute Zahl der Betroffenen nahezu halbiert werden.

Hunger
Quelle GHI – Entwicklung Marokkos in den letzten 20 Jahren

Die Folgen von Hunger für Kinder werden besonders gemessen.

Ein besonderes Augenmerk legen die Initiatoren der Studie auf die Entwicklung bei Kindern im Alter von unter fünf Jahren. Gerade Kleinkinder erleiden sichtbare Spätfolgen, wenn sie in jungen Jahren Unterernährung ausgesetzt waren. Die Quote der Kinder unter fünf Jahren, die ein auffällig zu geringes Gewicht und grundsätzlich eine zu geringe Körpergröße für ihr Alter aufweisen, beträgt ebenfalls 3,4% (Gewicht) bzw. 16,6% (Körpergröße). Beide Zahlen haben sich seit 2000 signifikant verringert. Im Jahr 2000 waren 4,3% untergewichtig, während 24,4% eine zu geringe Größe für ihr Alter hatten. Schließlich liegt die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren in Marokko im Jahr 2019 bei 2,3%, gegenüber 5% im Jahr 2000.

Kinder
Quelle GHI – Folgen von Hunger für Kinder unter fünf Jahren in Marokko

Marokko im weltweiten Vergleich im oberen Mittelfeld.

Marokko verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr 2018, um zwei Plätze und kletterte von Platz 44 weltweit auf Platz 42. Das nordafrikanische Königreich belegte in Afrika laut Index den zweiten Platz hinter Tunesien (24. Platz weltweit). In der arabischen Welt belegte es, hinter Kuwait (1.), Tunesien und Saudi-Arabien (34.), den vierten Platz. Im weltweiten Vergleich belegten 17 Länder den ersten Platz mit einem Index unter 5, darunter Bulgarien, Kuba, die Türkei, die Ukraine. Die Länder, die am traurigen Ende der Rangliste stehen, sind der Tschad (115.), Jemen (116.) und die Zentralafrikanische Republik (117.), mit extrem alarmierender Hungersituation.

UNO will bis 2030 den Hunger beseitigen.

Ziel der UNO (UNSDGs) ist es, bis zum Jahr 2030 den Hunger auf der Welt besiegt zu haben. Die Entwicklungen in zahlreichen Ländern auf der Welt lassen Zweifel aufkommen, ob das Ziel binnen 10 Jahren erreicht werden kann. Weitere Anstrengungen, nicht nur in Marokko, sind nötig. Dazu kommt der Kampf gegen den Klimawandel und die Lösung der zahlreichen politischen Konflikte weltweit. Der Welt Hunger Index zeichnet nicht das Gesamtbild auf der Erde ab. Zahlreiche Länder sind von der Studie nicht erfasst. Darunter die USA, Canada fast ganz Europa, Australien, Algerien. Die Daten für Marokko sind auch ohne das Gebiet der Westsahara erhoben. Dort ist aber die Bevölkerungszahl nicht ausreichend hoch, um die Werte entscheidend zu beeinflussen.

*Länderinfo.de

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