Marokko – Marine rettet 271 Menschen aus Seenot.

Marokko wichtigste Transitroute für Flüchtlinge nach Europa.

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Marine
Marokkanisch königliche Marine

Königreich im Spannungsfeld zwischen Flüchtlingen und Europäischer Union.

Rabat – Die königliche Marine hat, nach eigenen Angaben, am vergangenen Wochenende (6. und 7. Juli 2019) 271 Menschen an der Küste des Landes gerettet. Wie die marokkanische – staatliche Nachrichtenagentur MAP meldet, befanden sich die Menschen in mehreren Schlauchbooten und gerieten in akuter Seenot. An Bord von drei Schlauchbooten sollen vor allem Flüchtlinge aus der Sub-Sahara und Zentralafrika gewesen sein. Unter den geretteten Flüchtlingen sollen sich auch Frauen und Kinder befunden haben. Einige Personen wären in einem schlechten gesundheitlichen Zustand gewesen.

Rückführung nach Marokko

Die Marine meldet, dass die Menschen an Bord der Schiffe der Küstenwache und der Marine versorgt wurden. Anschließend habe man alle geretteten Personen zu den nächst gelegenen Häfen auf marokkanischem Staatsgebiet gebracht. Dort sollen sie in Auffanglagern untergebracht worden sein.

Marokko wichtigste Transitroute für Flüchtlinge nach Europa.

Neben der Gruppe von meist jungen Marokkanerinnen und Marokkanern, die das Land seit Jahren in Richtung Europa, und hier vor allem in Richtung Spanien, Frankreich und Italien, illegal verlassen, steigt seit einigen Jahren auch die Anzahl von Flüchtlingen aus der Sub-Sahara und Zentralafrika. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Libyen, der Kämpfe gegen Terrormilizen in der Sub-Sahara, der Grenzschließungen durch die neue rechts-populistische Regierung Italiens und der Blockade der osteuropäischen Flüchtlingsrouten, versuchen die Menschen vermehrt über Marokko nach Spanien überzusetzen. An der engsten Stelle beträgt die Entfernung zwischen Marokko und Spanien nur ca. 13 km.

Königreich im Spannungsfeld zwischen Flüchtlingen und Europäischer Union

Immer wieder kommt es zu Toten, die die Verhältnisse auf See unterschätzen, in schlecht ausgestatteten Booten die Überfahrt wagen oder von skrupellosen Schleppern im Stich gelassen werden. Marokko wird durch die EU unter Druck gesetzt, Flüchtlinge an der illegalen Überfahrt zu hindern und zugleich mit wirtschaftlichen und politischen Anreizen „motiviert“ die Küsten besser zu sichern. Zuletzt stellte die spanische Regierung erneut  Ausrüstung für die Grenzsicherung, im Wert von mehreren Millionen Euro, zur Verfügung.

Marokkos Versuch einer eigenen Migrationspolitik.

Marokko selbst versucht eine eigene Migrationspolitik zu entwickeln und Flüchtlinge in die Gesellschaft zu integrieren. Es schreckt aber auch nicht davor zurück, ganze Busladungen von Flüchtlingen an die südlichen Grenzen des Landes zu bringen und die Menschen auszuweisen. Doch das wichtigste Instrument für eine gelungene Integration wäre ein sich positiv entwickelnder Arbeitsmarkt. Genau hier hat Marokko große Probleme. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt zwar bei ca. 10%. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt aber in Städten bei mehr als 18% und unter jungen Akademikern überschreitet sie mancherorts die 40% Marke. In Casablanca kam es bereits zu Spannungen und Zusammenstößen zwischen Marokkanern und Flüchtlingen. Doch das Königreich muss sich darauf einstellen, dass viele Flüchtlinge mit dem Ziel Europa in Marokko hängenbleiben.

Ausschreitungen zwischen Sub-Sahara-Flüchtlingen und Marokkanern in Casablanca

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