Tunesien – Unruhen und teils gewaltsame Proteste.

Mindesten ein Toter und 44 Verhaftungen.

Unruhen
Unruhen in Tunesien

Schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften – mindesten ein Toter.

Tunis – In einigen Städten und Ortschaften in Tunesien gab es in der Nacht zum 08. Januar 2018 Unruhen und teilweise gewaltsame Proteste. Nach Angaben der Sicherheitskräfte und der Regierung kam es in einigen Städten und Ortschaften außerhalb Tunis zu Plünderungen und Krawallen. Es sollen Häuserfassaden, Autos und Schaufenster beschädigt oder zerstört worden sein, darunter Banken, Geldautomaten und sogar eine Polizeistation. Die Demonstranten blockierten ganze Straßenzüge, indem sie Reifenstapel errichteten und in Brand setzten. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas und durch Einsatz von Schlagstöcken.

Proteste
Proteste in zahlreichen Städten in Tunesien.

Mindesten ein Toter und 44 Verhaftungen bei Unruhen in Tunesien.

Das Innenministerium zog eine erste Bilanz der Unruhen. Danach kam ein Mann in Tebourba, südlich von Tunis, ums Leben. Die Polizei hat Ermittlungen zum Tod des 43 Jährigen Mannes aufgenommen. In einer ersten Stellungnahme hat die Polizei aber eine direkte Beteiligung an dem tragischen Tod des Mannes abgestritten. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung soll für Klarheit sorgen.

Zu schweren Sachbeschädigungen kam es in den Orten Ettadhamen, Kasserine und Sidi Bouzid. Mindestens 44 Menschen wurden festgenommen, darunter 16 in Kasserine und weitere 18 in Vierteln in der Nähe von Tunis.

Proteste durch Sparhaushalt der Regierung ausgelöst.

Die tunesische Regierung hatte zum Jahreswechsel ihren neuen Staatshaushalt in Kraft gesetzt. Dieser sieht Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen vor. Gekürzt wird im Bereich Soziales. Besonders schmerzhaft ist die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Diese reduziert nochmals die ohnehin sinkende Kaufkraft der Menschen in Tunesien. Sie leiden bereits unter einer relativ hohen Inflationsrate von 6,4% im Jahr 2017.

Tunesische Regierung ist in einer Zwickmühle.

Die tunesische Regierung unter Premierminister Chahed ist in einer Zwickmühle. Die Erwartungen hinsichtlich einer spürbaren wirtschaftlichen Entwicklung an sie sind groß. Gleichzeitig ist die Staatskasse leer, die Staatsquote erschreckend und die Ausgaben für den Kampf gegen den Terror im Inland und an der libyschen Grenze hoch. Hinzu kommt, dass es seit 2011 keiner Regierung gelungen ist, die Korruption und Vetternwirtschaft zu bekämpfen. Ebenso wenig haben die ergriffenen politischen Maßnahmen Erfolg gebracht. Jedes Jahr im Januar kommt es zu Protesten, in denen die Menschen auf ihre Situation und an die Jasmine – Revolution von 2011 erinnern. Doch die Unruhen häufen sich. Erst Ende November 2017 gab es Unruhen in der Stadt Sejnane – maghreb-post berichtete.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (4 Bewertung(en), Durchschnitt: 4,75 von 5)
Empfohlener Artikel