Marokko – Erneutes Grubenunglück in Jerada

Unglück lässt Proteste wieder aufflammen.

Jerada
Neuerliche Proteste in Jerada nach Grubenunglück.

Mann stirbt bei Kohleabbau in einem illegalen Minenschacht. Premier plant Reise in die Region.

Jerada – Erneut sind die Menschen in Jerada wütend. Ende letzter Woche verunglückte ein Mann in einem illegalen Minenschacht. Nach Medienangaben stürzte ein Teil eines Schachtes auf insgesamt drei Männer, die gemeinsam Kohle abbauen wollten. Zwei der Männer konnten mit Verletzungen geborgen werden. Für den dritten Mann kam jede Hilfe zu spät. Das erneute Unglück löste wieder wütende Proteste gegen die Regierung aus.

Unglück lässt Proteste in Jerada wieder aufflammen.

Nach einigen Tagen der relativen Ruhe in Jerada ließ der Tod des Mannes die Wut und Frustration über die dortigen Lebensumstände wieder aufflammen. Ende Dezember 2017 löste ein ähnlicher Todesfall heftige Demonstrationen und Proteste in der ehemaligen Kohlestadt Jerada aus. Diese hielten wochenlang an.

Damals kamen drei Brüder in einem illegal betriebenen Schacht ums Leben als Grundwasser plötzlich eindrang. Die Proteste machten auf die schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten aufmerksam, die sich seit der Beendigung des offiziellen Kohleabbaus entwickelt haben. Die Menschen in der Region sind gezwungen illegalen Kohleabbau zu betreiben, weil sie sonst kaum alternative Einnahmequellen erschließen können. Die nach der Schließung der Kohlemine in Aussicht gestellten Strukturreformen wurden nur teilweise und meist erfolglos eingeleitet.

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Behörden leiten Untersuchung ein.

In einem Kommuniqué, das kurz nach den Ereignissen herausgegeben wurde, kündigten die lokalen Behörden die Einleitung einer Untersuchung an, um die genauen Umstände dieser neuerlichen Tragödie zu ermitteln, wobei sie bedauerten, dass die Hilfsdienste, die zum Unglücksort eilten, von einer Gruppe von Personen, daran gehindert wurden zu helfen.

Regierungschef plant Reise in die Region Oriental.

Saad-Eddine El Othmani
Marokkanischer Premierminister Saad-Eddine El othmani

Im Anschluss an die letzte Sitzung des Regierungskabinetts, am 1. Februar 2018, informierte der Regierungssprecher Mustapha El Khalfi darüber, dass die Regierung die Situation in der gesamten Region Oriental weiter aufmerksam verfolge. Der Regierungssprecher machte deutlich, dass die Regierung sich verpflichtet fühle, alle gemachten Zusagen einzuhalten und regionale Disparitäten auszugleichen, wo immer dies möglich sei. Nach Angaben des Regierungssprechers plant der Premierminister Saad-Eddine El Othmani eine Reise in die nordöstlichen Provinzen. Er wolle dabei eine Regierungsdelegation anführen und das Engagement der Zentralregierung damit bekräftigen. Wann der Regierungschef in den Rif reisen wird, gab Mustapha El Khalfi nicht bekannt. Ob und wann König Mohammed VI. in die Region reist, bleibt Gegenstand von Spekulationen. Seinen Jahresurlaub in der Gegend von Al Hoceima sagte der Monarch im Sommer ab.

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