Marokko – Neuer Sozialpakt soll Kaufkraft und Wohlstand erhöhen.

Erhöhung des Mindestlohnes und von Sozialleistungen.

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Sozialpakt
Regierung, Unternehmer und Gewerkschaften unterzeichnen neuen Sozialpakt bis 2021

Regierung, Unternehmer und Gewerkschaften verabschieden langjährigen Sozialpakt.

Rabat – Die Regierung, verträten durch Premierminister Dr. Saad-Eddine El Othmani, unterzeichnet einen „neuen Sozialpakt“ mit Arbeitgebern und Gewerkschaften.

Das Abkommen, das der Generalverband der marokkanischen Unternehmen (CGEM) und drei der vier wichtigsten Gewerkschaften, UMT, UGTM und UNMT, am vergangenen Donnerstag (25. April 2019) vereinbart haben, sieht vor, dass der monatliche Mindestlohn steigen soll. Derzeit liegt dieser bei 2.570 marokkanische Dirham (MAD)(ca. 238 Euro*). Ab Juli diesen Jahres und über zwei Jahre hinweg, soll dieser um 10 Prozent erhöht werden. Allerdings nicht für alle Wirtschaftssektoren. Im Bereich der Landwirtschaft gilt diese Anpassung nicht. Dort bleibt es bei einem Mindestlohn von 1.800 MAD (ca. 167 Euro*) pro Monat.

Angestellte im öffentlichen Sektor erhalten über einen Zeitraum von drei Jahren eine monatliche Gehaltserhöhung von 300 – 500 Dirham, je nach Gehaltsstufe. Der neue Sozialpakt gilt bis 2021.

Keine Einigkeit auf Seiten der Gewerkschaften.

Von den wichtigsten Gewerkschaften im Königreich hat nur der Demokratische Gewerkschaftsbund (CDT) nicht unterzeichnet. Die Gewerkschaft erklärte in einem Brief an die Regierung, dass der bisherige und am 26. April 2011 unterzeichnete Sozialpakt nicht respektiert wurde. Sie ist der Ansicht, dass „einige wichtige Punkte, die ein Sozialpakt enthalten muss, weiterhin nicht berücksichtigt sind“. TelQuel Arabi berichtet, dass die CDT ab Mai eine Anhebung des Gehalts von Beamten um einheitlich 500 MAD sowie einen Zuschlag bei der Familienzulage fordert. Familienzulagen werden ebenfalls erhöht, wenn auch nicht im geforderten Umfang. Diese erhöhen sich auf 100 MAD für jedes Kind.

Regierung will Kaufkraft und Wohlstand erhöhen.

Laut Regierungserklärung zielt das Abkommen auf die „Verbesserung der Kaufkraft und des sozialen Klimas“ ab. Einhergehend soll damit eine Steigerung des Wohlstandes erreicht werden. Der Sozialpakt wurde vor dem Hintergrund sozialer Proteste erarbeitet. Die schwersten sozialen Proteste gab es Ende 2016 bis Mitte 2017, mit einem Schwerpunkt im Rif. Aber auch in anderen Landesteilen wurde gegen die wahrgenommenen sowie tatsächlichen sozialen Diskrepanzen und vor allem gegen die weitverbreitete Jugendarbeitslosigkeit demonstriert. Derzeit protestieren Lehrkräfte im Angestelltenverhältnis und Teile der Ärzteschaft an öffentlichen medizinischen Einrichtungen gegen ihre Arbeitsverhältnisse und soziale Unsicherheiten.

Sozialpakt
Quelle Regierung – Sozialpakt 2019 bis 2021

*Wechselkurs stand 27. April 2019

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