Rede König Mohammed VI. beim 28. Gipfel der Afrikanischen Union.

Volle Rede von König Mohammed VI. Beim 28. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union. Text in deutscher Übersetzung.

Volle Rede von König Mohammed VI. beim 28. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union.

Addis Abeba – Rede König Mohammed VI. beim 28. Gipfel der Afrikanischen Union. Mohammed VI. hielt diese Rede auf dem 28. Gipfel der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba. Text in deutscher Übersetzung.

Text Rede: König Mohammed VI. beim 28. Gipfel der Afrikanischen Union.

Alternative Aufzeichnung:

„Gelobt sei Allah, möge Frieden und Segen auf dem Propheten sein und auf seinen Nachkommen.

Eure Exzellenz Präsident Alpha Condé, Vorsitzender des 28. AU-Gipfels.

Sehr geehrte Staats- und Regierungschefs,
sehr geehrter Vorsitzender der Kommission,
sehr geehrte Damen und Herren,

Es ist so gut, wieder zu Hause zu sein, nachdem wir zu lange weg waren! Es ist ein guter Tag, wenn man seine Zuneigung für dieses geliebtes Haus zeigen kann!

Afrika ist mein Kontinent und mein Zuhause.

Ich bin endlich zuhause und glücklich mit ihnen allen vereint. Ich habe Sie alle vermisst.
Aus diesem Grunde, meine lieben Brüder und Staatsoberhäupter, wollte ich diese Reise machen und mich an Sie wenden, ohne abzuwarten das alle Formalien und Verfahren durchlaufen wurden, die nötig sind, damit das Königreich wieder in die Organisation zurückkehren kann.

Afrika ist unverzichtbar für Marokko und Marokko unverzichtbar für Afrika.

Die große und freimütige Unterstützung, die Marokko zuteil wurde, ist der Beweis für die festen Beziehungen, die uns verbinden. Es war damals nötig, sich von der OAU zurückzuziehen. Dadurch hatte Marokko die Möglichkeit, sich auf Afrika neu zu fokussieren, um dadurch zu erkennen, wie unverzichtbar Afrika für Marokko und wie unverzichtbar Marokko für Afrika ist.

Wir haben es sorgfältig durchdacht und es wurde offensichtlich! Es ist Zeit, nachhause zurückzukehren. Zu einem Zeitpunkt, in dem das Königreich zu den am stärksten entwickelten afrikanischen Ländern gehört. Zu einem Zeitpunkt, zu dem eine Mehrheit der Mitgliedstaaten auf unsere Rückkehr hoffen, haben wir uns entschlossen, wieder zu unserer Familie zurückzukehren. Eine Familie, die wir nicht wirklich verlassen haben!

Tatsächlich waren unsere Bindungen, die nie völlig durchtrennt waren, trotz unserer jahrelangen Abwesenheit aus den AU-Institutionen, über viele Jahre stark. Unsere afrikanischen Schwesternationen konnten sich immer auf uns verlassen.

Starke bilaterale Beziehungen haben sich entwickelt. Seit 2000 hat Marokko fast tausend Abkommen mit afrikanischen Ländern in verschiedenen Bereichen unterzeichnet.
Zum Vergleich: Wussten Sie, dass zwischen 1956 und 1999 nur 515 Vereinbarungen unterzeichnet wurden, während 949 Vereinbarungen seit 2000 unterzeichnet werden konnten? Also fast doppelt so viele! Während dieser Zeit war ich persönlich bestrebt, den Kooperationen neue Impulse zu verleihen, indem ich viele Besuche in verschiedenen afrikanischen Subregionen machen durfte.

König besuchte zahlreiche Länder und vereinbarte viele Kooperationen. Ausbildung im Fokus.

Bei jedem der 46 Besuche, die ich in 25 afrikanische Länder machte, wurden zahlreiche Vereinbarungen unterzeichnet, sowohl im öffentlichen Sektor als auch im Privatsektor. Mein Handeln ist besonders auf den Bereich der Ausbildung ausgerichtet gewesen, die das Herzstück der Zusammenarbeit meines Landes mit den Schwesternationen bildet. Dies hat es einer Reihe von afrikanischen Studenten ermöglicht, ihre Hochschulbildung in Marokko zu erlangen, auch dank der tausenden von Stipendien, die ihnen gewehrt wurden.

Darüber hinaus wurden während meiner Besuche in diesen Ländern wichtige strategische Projekte begonnen:

Energieversorgung als Basis für Wohlstand und Entwicklung.

Zum einen hatte ich das Vergnügen, das Afrika Atlantic Gas Pipeline Projekt mit meinem Bruder, Herrn Muhammadu Buhari, Präsident der Republik Nigeria, zu initiieren. Dieses Projekt dient dazu, dass Erdgas aus den Gasförderländern nach Europa transportiert werden kann. Aber darüber hinaus soll ganze Westafrika profitieren.
Sie wird in der Tat dazu beitragen, einen regionalen Elektrizitätsmarkt zu schaffen und eine wesentliche Energiequelle bereitzustellen, die dazu dienen wird, die Industrie zu entwickeln, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die soziale Entwicklung zu beschleunigen. Das Projekt wird somit Wohlstand für die Nachbarländer und Völker schaffen und so einen entscheidenden Impuls geben können, der das Entstehen und die Entwicklung von Parallelprojekten stimuliert. Darüber hinaus wird sie dazu beitragen, friedliche, bilaterale und multilaterale Beziehungen aufzubauen um so ein Umfeld für Entwicklung und Wachstum zu schaffen.

Steigerung der Effizienz in der Landwirtschaft.

Zum anderen wurden Projekten vereinbart, die zum Ziel haben eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität und die Unterstützung der Ernährungssicherheit bzw. der Entwicklung des ländlichen Raums herbeizuführen. Dazu werden Düngemittelherstellungsbetriebe sowohl in Äthiopien als in Nigeria aufgebaut. Diese Projekte werden dem gesamten Kontinent zugutekommen. Wie wir wissen, können grundlegende Nahrungsmittelbedürfnisse nicht mit Gas oder Öl befriedigt werden.

Aber ist die Ernährungssicherheit nicht die größte Herausforderung für Afrika?

Dies ist auch das Ziel der Initiative für die Anpassung der afrikanischen Landwirtschaft, die sog. „Triple A Initiative“, die wir während der Weltklimakonferenz COP22 angeregt haben. Es ist eine innovative und äußerst konkrete Antwort auf die gemeinsamen Herausforderungen des Klimawandels. Kaum hatten wir diese Initiative ins Leben gerufen, wurde diese Initiative von rund 30 afrikanischen Ländern unterstützt. Die „Triple A Initiative“ zielt darauf ab, größere Mittel für die Anpassung der kleinen afrikanischen Landwirtschaften bereitzustellen. Sie wird auch die Strukturierung und Beschleunigung der Agrarprojekte in Afrika durch vier Programmteile unterstützen:

-Rationelle Bewirtschaftung der Böden
-Nachhaltige Wasserwirtschaft
-Klimabezogenes Risikomanagement
-Und solidarische Unterstützung kleiner Projekte.

Die Initiative war auch eine der Schwerpunkte des Afrika-Aktionsgipfels, dessen Vorsitz ich im letzten November in Marrakesch einnehmen durfte.

Marokko stets in Afrika für Sicherheit und Stabilität engagiert.

Schließlich sind unsere Bindungen auch in Bezug auf Sicherheit und Frieden stark geblieben. Müssen wir darauf hinweisen, dass wir immer anwesend waren, wenn es um die Stabilität des Kontinents ging?

Seit seiner Unabhängigkeit hat Marokko sechs Friedensmissionen der Vereinten Nationen in Afrika unterstützt, sich mit tausenden von Truppen in verschiedenen Operationsgebieten engagiert. Die marokkanischen Streitkräfte sind heute noch in den Missionen CAR und DRC vertreten. Darüber hinaus führte Marokko eine Reihe von Vermittlungsinitiativen durch, die dazu beigetragen haben, dass die Friedensbemühungen in Libyen sowie in der Mano-Region deutlich unterstütz werden konnte.

Die Süd-Süd-Strategie Marokkos.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Meine Vision der Süd-Süd-Zusammenarbeit ist klar und unverändert. Mein Land teilt was es hat, ohne Widerwillen. Im Rahmen einer klar umrissenen Zusammenarbeit wird Marokko – ein wichtiger Wirtschaftsakteur in Afrika – ein Katalysator für eine gemeinsame Expansion sein. In meinem Land werden Sub-Sahara-Bürger, nach vorher angekündigten Bedingungen, empfangen. Zahlreiche Eingliederungsmaßnahmen wurden eingeleitet und mehr als 25000 Menschen haben von der ersten Phase profitiert.

Die zweite Phase wurde vor wenigen Wochen erfolgreich gestartet, im gleichen Geist der Solidarität und der Humanität wie zuvor. Wir sind stolz auf diese Aktionen. Sie waren notwendig, lebenswichtig für diese Männer und Frauen, die zulange in ihrem Leben und im Untergrund gelitten haben. Wir handeln, um diese Menschen davor zu bewahren am Rande der Gesellschaft leben zu müssen, ohne Arbeit, ohne Gesundheitsversorgung, obdachlos und ohne Zugang zu Bildung. Wir handeln so, dass Paare, vor allem jene aus Mischehen – zwischen Marokkaner und Sub-Saharanern – nicht getrennt werden.

Alle diese konstruktiven Maßnahmen, zur Unterstützung der Migranten haben das Bild Marokkos geprägt. Einige sagen, dass durch dieses Engagement Marokko versucht die Führung in Afrika an sich zu ziehen. Ich sage ihnen, dass es zum Vorteil Afrikas ist, wenn das Königreich versucht sich an der Führung zu beteiligen.

Marokko ist sich der Diskussion um seinen Wiedereintritt bewusst.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Wir wissen, dass wir keine einhellige Unterstützung innerhalb dieser ehrenvollen Versammlung haben. Es liegt uns fern, eine kontroverse Debatte auszulösen! Wir haben absolut nicht die Absicht, eine Spaltung zu verursachen, wie manche uns unterstellen wollen! Sie werden sehen: Sobald das Königreich Mitglied wird und in der Lage ist, seinen Beitrag zu vielen Aktivitäten zu leisten, wird unser Handeln im Gegenteil dazu beitragen, Einheit und Fortschritt zu schaffen.

Wir nahmen an der Schaffung dieses wunderschönen pan-afrikanischen Hauses teil und wir freuen uns natürlich darauf, den Platz wiedereinzunehmen, den wir eigentlich immer innehatten. Während all dieser Jahre und ohne natürliche Ressourcen wurde Marokko zu einem aufstrebenden Wirtschaftsraum, mit anerkanntem Fachwissen. Heute ist Marokko eine der wohlhabendsten Nationen Afrikas.

Die Maghreb-Union ist nicht integriert.

Marokko hat immer gewusst, dass seine Stärke vor allem aus der Integration der Maghreb-Subregion stammt.
Es ist jedoch klar, dass die Flamme der arabischen Maghreb-Union verblasst ist, weil der Glaube an gemeinsame Interessen verschwunden ist! Die mobilisierende Dynamik des Maghreb-Ideals, das von den Pionieren der 1950er-Jahre propagiert wurde, wurde verraten.

Wir bedauern heute, dass die Maghreb-Union die am wenigsten integrierte Region im afrikanischen Kontinent ist, wenn nicht sogar auf der ganzen Welt. Der innergemeinschaftliche Handel erreichte 10% zwischen den ECOWAS-Ländern und 19% zwischen den SADC-Ländern, während er in den Maghreb-Ländern nach wie vor mit weniger als 3% stagniert. Während die westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft durch ehrgeizigen Integrationsprojekten vorankommt und die ECOWAS ein verlässlichen Raum für die Freizügigkeit von Personen, Gütern und Kapital bietet, so ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Maghreb-Länder auf einem niedrigen Niveau.

Unsere Mitbürger im Maghreb finden diese Situation nur schwer verständlich. Wenn wir nicht handeln, wird die Maghreb-Union, wenn sie nicht dem Beispiel der benachbarten afrikanischen Subregionen folgt, an ihrer chronischen Unfähigkeit zerbrechen sowie den Zielen des Marrakesch-Vertrags, der vor 28 Jahren geboren wurde, nicht gerecht.

Marokko kommt durch das Haupttor zurück und nicht durch die Hintertür.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

All dies bestätigt, dass Marokko das Recht hat, sich für Afrika zu entscheiden. Vor diesem Hintergrund hat sich mein Land entschieden, sein Wissen zu teilen und zu transferieren. Konkret heißt das, eine sichere, solidarische Zukunft mit aufzubauen. Wir sind stolz darauf, dass die Geschichte uns Recht gegeben hat. Marokko kehrt daher nicht zu Afrikanischen Union durch die Hintertür zurück, sondern durch das Haupttor.

Dies wurde uns durch die herzliche Begrüßung, die uns heute durch unsere afrikanischen Brüder zuteil wurde, deutlich. Wir laden die afrikanischen Völker dazu ein, sich der Dynamik unseres Landes anzuschließen und so dem ganzen Kontinent neue Impulse zu verleihen.

Afrika muss vom eigenen Reichtum profitieren.

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren,

Es ist Zeit für Afrika, von dem Reichtum Afrikas zu profitieren. Wir müssen daran arbeiten, dass unser Kontinent, nach jahrzehntelanger Plünderung, in ein Zeitalter des Wohlstands übergehen kann. Zugegebenermaßen ist der Kolonialismus nicht die einzige Ursache für die Probleme Afrikas. Allerdings bestehen seine negativen Auswirkungen weiterhin. Sehr lange haben wir nach Ursachen gesucht, um uns unseren Verpflichtungen zu entziehen sowie Entscheidungen hinauszuzögern. Ist es nicht an der Zeit, dass dieser Tropismus (Virus) gestoppt wird? Ist es nicht an der Zeit, auf unseren Kontinent zu schauen, um seinen kulturellen Reichtum, sein menschliches Potential zu erkennen? Afrika sollte stolz sein auf seine Ressourcen, sein kulturelles Erbe, seine spirituellen Werte, und die Zukunft sollte diesen Stolz stärken.
Afrika kann und muss alleine seine Wahlen überwachen und damit die freie Wahl seiner Bürger unterstützen. Es verfügt über Regulierungsinstrumente und Rechtsinstitutionen wie Verfassungsräte und Oberste Gerichte, die Wahlstreitigkeiten und Beschwerden beilegen können. Diese Institutionen könnten bei Bedarf gestärkt werden. Aber sie existieren! Sie sind arbeitsfähig! Andernfalls, wozu haben wir sie?

Afrika wird heute von einer neuen Generation Führer geleitet. Sie arbeiten für die Stabilität, die politische Öffnung, die wirtschaftliche Entwicklung und den sozialen Fortschritt ihrer Völker. Sie arbeiten mit Entschlossenheit und Überzeugung, ohne sich darum zu kümmern wie sie vom Westen „bewertet“ oder „beurteilt“ werden.

Seit Jahrzehnten sind die Wachstumsraten in einigen Ländern des Nordens nicht höher als in einigen afrikanischen Ländern. Das Scheitern der etablierten Parteien bei Wahlen zeigt, inwieweit sie ihre Fähigkeit verloren haben, die Bestrebungen ihrer Völker zu verstehen. Und doch nehmen diese Länder mit einer kränkelnden Wirtschaft, einer schlechten sozialen Lage und einer schwachen Führung sich das Recht heraus, ihr Entwicklungsmodell auf uns zu übertragen!

Der Begriff der „Dritten Welt“ hält Marokko für überholt.

Ich wiederhole: Ich halte den Begriff der „Dritten Welt“ für veraltet! Solche Praktiken sind Zeichen des ökonomischen Opportunismus. Der Respekt und das Wohlwollen, die einem Land gegenüber gezeigt werden, sollten nicht mehr von seinen natürlichen Ressourcen und vom erwarteten Gewinn abhängen!

Eure Exzellenzen, meine Damen und Herren, dies ist der Weg zu Solidarität, Frieden und Vereinigung, der von meinem Land gewählt wird. Wir bekräftigen unser Engagement für die Entwicklung und den Wohlstand der afrikanischen Völker. Wir, die Völker Afrikas, haben die Mittel und das Genie. Gemeinsam können wir die Bestrebungen unserer Völker erfüllen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Wassalamu alaikum warahmatullah wabarakatuh „.

Text Ende Rede König Mohammed VI. beim 28. Gipfel der Afrikanischen Union.

Die Übersetzung ist nach bestem Wissen durchgeführt worden.

Volle Rede von König Mohammed VI. beim 28. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union.
Volle Rede von König Mohammed VI. beim 28. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union.