Womöglich historische Chance verpasst – Melilla zurück an Marokko

Enklaven sind ein wunder Punkt in der Beziehung zwischen Marokko und Spanien.

Melilla
König Hassan II. von Marokko und König Carlos von Spanien

König Juan Carlos war bereit Melilla an Marokko zurückzugeben.

Rabat/Madrid – Womöglich wurde im Jahr 1979 eine historische Chance verpasst. Im Rahmen seiner Buchrecherche stieß der Historiker und Schriftsteller Charles Powell auf kürzlich freigegebene Dokumente. Danach war der damalige spanische König bereit die Enklave Melilla an Marokko zurückzugeben. Wie die katalanische Zeitung El Puntavui berichtet geht diese Information aus bisher unter Verschluss gehaltene Gesprächsprotokolle hervor. In einem Gespräch mit dem amerikanischen Sondergesandten und US-Senator Ed Muskie beriet König Juan Carlos aktuelle Probleme der Mittelmeer – Region. Im Auftrag des damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter sollte ausgelotet werden, ob man die bestehenden Schwierigkeiten lösen könnte. Spaniens König sprach offen darüber, dass es aus seiner Sicht möglich wäre Melilla an Marokko zurückzugeben, weil lediglich 10.000 Spanier dort leben würden. Der König erwartete zwar politischen Widerstand und auch Proteste von Seiten des Militärs, aber er erwartete, dass sich die Lage binnen zwei Monaten wieder beruhigen würde. Für die zweite spanische Enklave an der marokkanische Küste Ceuta konnte sich Juan Carlos eine Lösung, wie für die Hafenstadt Tanger vorstellen. Die Hafenstadt Tanger war lange Zeit unter internationale Verwaltung. Eine Rückgabe von Ceuta wäre nicht möglich, weil dort damals ca. 60.000 Spanier lebten.

Königshaus fürchtete einen weiteren „Grünen March“

Im Jahr 1975 organisierte König Hassan II. von Marokko den sog. „Grünen March“. Spanien verließ kurz zuvor die Westsahara und hinterließ ein Machtvakuum. Der marokkanische König rief die Marokkaner damals auf unbewaffnet in die Westsahara zu ziehen und das beanspruchte Land einzunehmen. Durch den „Grünen March“ übernahm Marokko die Kontrolle über die Westsahara.

Spaniens König befürchtete eine ähnliche Aktion durch König Hassan II. im Zusammenhang mit Ceuta und Melilla. Man ging also in Madrid davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, dass man die Englaven verlieren würde. Daher wollte man über den Prozess offensichtlich die Kontrolle behalten.

Politiker aus Ceuta und Melilla fordern Besuch von König Felipe VI. von Spanien.

Die Meldung löste bereits Proteste in Spanien aus. Der Palast in Madrid hat der Darstellung nicht widersprochen. Das Königshaus soll lediglich zum Ausdruck gebracht haben, dass man die Veröffentlichung der vertraulichen Dokumente nicht begrüßt. Die lautesten Proteste kamen nun von politischen Vertretern der Enklaven Ceuta und Melilla. Sie forderten dazu auf, das sich die Zentralregierung und das Königshaus in Madrid nochmals deutlich zum jetzigen Status bekennt. Dies sollte das Königshaus unterstreichen, in dem König Felipe VI. Ceuta und Melilla besucht.

Enklaven sind ein wunder Punkt in der Beziehung zwischen Marokko und Spanien.

Die beiden Enklaven auf dem marokkanischen Festland sind bereits seit dem 15. Jahrhundert unter ausländischer Kontrolle. Erst kontrollierten die Portugiesen Ceuta und Melilla und später Spanien. Marokko hat seinen Anspruch auf die beiden Städte stets betont. Daher belastet der Status der Enklaven regelmäßig die Beziehungen zwischen Marokko und Spanien. Grundsätzlich sind die Beziehungen aber umfassend und gut.

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