Marokko – Boykott – Drohung gegen Maroc Telecom Tochter Mauritel in Mauretanien.

Aufruf in sozialen Netzwerken „Last sie pleite gehen!“

Mauretanien
Boykottaufruf gegen Mauritel. Eine Tochter der Maroc Telecom.

Mauritel soll unbeschränkten Internetzugang anbieten, ansonsten soll gegen die Maroc Telecom Tochter ein Boykottaufruf verstärkt werden.

Casablanca – Der marokkanische Telekommunikationskonzern Maroc Telecom sieht sich bei seinem Auslandsgeschäft einer klaren Drohung ausgesetzt. Im Nachbarland Mauretanien ist die Maroc Telecom Mehrheitseigner des Telekommunikationsanbieters Mauritel. In Mauretanien ist die Maroc Telecom damit ebenfalls Marktführer. Man trifft dort auf Mauritano, einer Tochter der Tunesie Telecom und gegen den Anbieter Chinguitel, der zu einem Telekommunikationskonzern aus Senegal gehört. Alle drei Anbieter sind in Mauretanien vermehrter Kritik ausgesetzt, weil die Dienstqualität anscheinend schlecht ist. Immer wieder fällt das Netz im Land aus oder ist gestört. Nun haben die Bürger und Kunden es Leid und wollen vor allem Mauritel (Maroc Telecom) ihren Ärger spüren lassen.

Aufruf in sozialen Netzwerken „Last sie pleite gehen!“

Ein erster Boykottaufruf fand Anfang Mai statt. Zahlreiche Kunden von Mauritel beschwerten sich über gestörte und vor allem langsame Internetverbindungen im Festnetz. Auch der technische Service wurde für seine langsame Reaktion auf Kundenbeschwerden kritisiert. In den sozialen Netzwerken solidarisierten sich die Kunden und folgten dem Slogan „Laissez la faire faillite – Last sie pleite gehen“. Kunden sollten die Produkte und Dienste meiden und prüfen, ob sie ihre Rechnungen bei Störungen zahlen müssen.

Regierung von Mauretanien verhängte Strafen für schlechte Dienste.

Auch die mauretanische Regulierungsbehörde für Telekommunikation hatte sich zuvor bei allen Netzbetreibern beschwert und für die eigenen Verhältnisse teils drastische Geldstrafen verhängt. Bereits Anfang 2017 wurde der Marktführer Mauritel zu einer Geldstrafe von 286 Mio. Ouguiyas verurteilt (ca. 730.000,- €). Insgesamt verhängte die mauretanische Regulierungsbehörde eine Strafe von 413 Mio. Ouguiya (ca. 1 Mio. €) gegen alle Netzbetreiber. Nicht zuletzt, weil auch das Notrufnetz nicht immer sauber funktionierte. Aber nun haben die Bürger keine Geduld mehr und ergreifen die Initiative.

Boykottaufruf durch Drohung verstärkt.

Die Aktivisten in den sozialen Medien haben, neben dem bereits erfolgten Boykottaufruf, nun auch eine deutliche Forderung an Mauritel gestellt. Seit diesem Wochenende fordern sie, dass zum für die Muslime heiligen Monat Ramadan, ein unbeschränkten Zugangs zum Internet gewährleistet wird. Ansonsten würden die Aktivisten den Aufruf zum Boykott verstärken und alle Kunden von Mauritel dazu auffordern den Internetservice nicht zu nutzen. Das Ultimatum läuft am ersten Tag des Ramadan aus, dessen Beginn für den 15. Oder 16 Mai 2018 erwartet wird.

Erfolg der Boykott – Kampagne unsicher.

Niemand kann sagen, ob die Aktivisten in Mauretanien sich die Boykott – Kampagne in Marokko als Vorbild genommen haben. Dort wird seit Wochen zum Boykott gegen drei Marken und ihre Produkte aufgefordert.

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Für die Kunden von Mauritel wird es aber nicht so einfach sein, auf die Dienste zu verzichten, da ein Anbieterwechsel wesentlich aufwändiger ist, als ein Konsumprodukt zu vermeiden, dass durch zahlreiche andere vergleichbarer Angebote ersetzt werden kann. Darüber hinaus genießen die übrigen Telekommunikationsunternehmen in Mauretanien ein ebenfalls schlechtes Ansehen.

Neue Strategie für Protestbewegungen.

Doch offensichtlich haben die Bürger in Nordafrika ein bekanntes Instrument neu für sich entdeckt, um Druck auf Unternehmen auszuüben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Bürger dieses Instrument auch dazu nutzen, um zukünftig Druck auf ihre Regierungen auszuüben. Im Jahr 2011 hat dies schon mal funktioniert und zum sog. Arabischen Frühling geführt. Dieses Mal gibt es einen Unterschied. Durch die reine Solidarisierung per sozialem Netzwerk, verbunden mit wirtschaftlichem Druck, kann man Erfolge erzielen, ohne sich mit Sicherheitskräften auf der Straße anlegen zu müssen. In Marokko haben die Aktivisten explizit dazu aufgerufen den Protest, gegen zu hohe Lebensmittelpreise, nicht durch Demonstrationen auf die Straße zu verlängern, sondern mit dem Geldbeutel zu protestieren. Es bleibt abzuwarten wie Mauritel und damit Maroc Telecom reagiert.

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