Marokko – Eigener Covid-19 PCR-Test erhält Zulassung.

Diagnosekits national und international überprüft.

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COVID-19
COVID-19 PCR Test aus eigener Entwicklung und Produktion.

MAScIR Diagnose-Kits 1 Mio. Einheiten pro Monat möglich.

Rabat – Nach monatelangem Warten auf die Marktzulassung für ihren Covid-19 Diagnosekit hat die Stiftung MAScIR am Donnerstag (3. September 2020) grünes Licht vom Gesundheitsministerium erhalten. Das Start-Up Unternehmen Moldiag, eine Tochtergesellschaft der marokkanischen Stiftung für fortgeschrittene Wissenschaft, Innovation und Forschung (MAScIR), hat die Marktzulassung durch das Gesundheitsministerium in einer Pressemitteilung bestätigt. Nach eigenen Angaben wäre man nun bereit eine „groß angelegte“ Produktion eines „100% marokkanischen“ SARS-COV 2/Covid-19 Diagnosekits in Angriff zu nehmen. Die Firma, die nun einen Erstauftrag von 100.000 Einheiten vom Gesundheitsministerium erhielt, hat nach eigenen Angaben eine Produktionskapazität von 1 Million Diagnosekits pro Monat.

Diagnosekits national und international überprüft.

„Es sei daran erinnert, dass dieser Test, der zu 100% marokkanisch ist, einer Reihe von Validierungsverfahren in biologischen und virologischen Referenzzentren auf nationaler und internationaler Ebene unterzogen wurde, die seine Wirksamkeit und Zuverlässigkeit bewiesen haben“, so MAScIR. „Im Anschluss an diese Überprüfungen wurde dieser Test von anerkannten nationalen und ausländischen Laboratorien, darunter die Königlichen Streitkräfte, die Königliche Gendarmerie und das Institut Pasteur von Paris, bestätigt und steht damit auf einer Stufe mit international verwendeten Tests.“

Marokko – Eigener COVID-19 Schnelltest entwickelt.

Diagnosekits könnten auf den freien Markt kommen.

Ursprünglich dazu gedacht, auf Bestellungen von öffentlich – rechtlichen Einrichtungen und Behörden zu reagieren, könnten Diagnostik-Kits bald auf dem freien Markt erhältlich sein. „Gespräche mit potentiellen lokalen Vertreibern sind im Gange“, schreibt die Stiftung MAScIR. „Diese nationale Neuerung wird es somit ermöglichen, den marokkanischen Laboratorien einen Diagnostik-Kit zu einem wettbewerbsfähigen Preis zur Verfügung zu stellen, der es ermöglicht, die Screeningkapazität zu erhöhen, die seit dem Wiederaufleben der Coronavirus-Fälle in Marokko unerlässlich ist“, betont das Unternehmen in seiner Pressemeldung. Aktuell werden alle 24 Stunden über 20.000 Test in Marokko durchgeführt. Die Monatsproduktion würde daher für ca. 45 Tage ausreichen.

Stiftung forscht seit 2007 in Marokko

Die Stiftung MAScIR, ein 2007 gegründetes Forschungs- und Entwicklungszentrum für medizinische Biotechnologie, entwickelt seit zehn Jahren molekulardiagnostische Kits für bestimmte Infektions- und Krebserkrankungen in Marokko und Afrika sowie eine Plattform für Biosimilar-Medikamente.

Laut Nawal Chraïbi, der Geschäftsführerin der Stiftung, „ist es dieser Erfahrung zu verdanken, dass wir diese Covid-19 Screening-Kits, die für unser Land in diesen schwierigen Zeiten so notwendig sind, rasch entwickeln und nun in großem Maßstab produzieren können“.

Marokko bemüht medizinische Güter zu entwickeln und zu vermarkten.

Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie in Marokko bemüht sich das Land, notwendige medizinische Materialien und Ausrüstungsgestände in eigene Regie zu entwickeln und zu produzieren. Zum einen will man Devisenabflüsse vermeiden und zum anderen will man sich dem Preiswettbewerb auf dem Weltmarkt nicht aussetzen. Binnen weniger Wochen stellte man medienwirksam ein Beatmungsgerät, den hier genannten COVID-19 PCR-Test und zuletzt ein Bett für Intensivstationen vor. Bisher tatsächlich auf den Markt gekommen ist der eigene Mund- und Nasenschutz (Maske), Schutzvisiere und Schutzkleidung. Hier hat man nach den ersten Empfehlungen der WHO die eigene Textilindustrie umgestellt, eigene Masken produziert und zu einem subventionierten Preis in den Markt gedrückt. Marokko nutzt die Materialien auch zur Diplomatie und sendet diese an afrikanische Länder und zuletzt mehrfach nach Beirut.

Kritik an Zulassungspolitik der Behörden

Zuletzt kam laute Kritik auf, dass die Behörden die Zulassungsverfahren vermeintlich nicht ausreichend beschleunigt hätten. So wurde bekannt, dass in den marokkanischen Krankenhäusern kein einziges Beatmungsgerät aus heimischer Herstellung zum Einsatz gekommen ist und auch der PCR-Test nicht zur Verfügung stehe. Das hat sich nun für den Test zumindest geändert. Die Behörden argumentieren, dass gerade bei medizinischen Produkten eine höhere Sorgfalt bei der Prüfung notwendig ist und diese entsprechend Zeit benötige. Die Opposition munkelt, hinter vorgehaltener Hand, dass Importeure Druck ausüben, um ihren Markt zu schützen. Grundsätzlich dauern Zulassungsverfahren im medizinischen Bereich nicht selten Jahre, nicht nur in Marokko.

Marokko – Krankenhausbett aus heimischer Entwicklung

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