Marokko – Aussetzung von Zöllen auf Speiseöl nur begrenzt wirksam.

Kaufkraft der privaten Haushalte kann nur sehr begrenzt profitieren.

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Speiseöl
Speiseöle

Regierung hat Einfuhrzölle auf Ölsaaten (Speiseöle) zur Abmilderung von Preissteigerungen ausgesetzt.

Rabat – Die Preise auf der Ebene des Einzelhandels und des Endverbrauchs in Marokko sind infolge des Anstiegs der Rohstoffpreise auf dem internationalen Markt allgemein gestiegen. Maghreb-Post berichtete wiederholt über die gestiegene Inflation.

Als neue Maßnahme zur Abmilderung des Kaufkraftverlustes der Bürgerinnen und Bürger, hat man sich den Einfuhrzöllen zugewandt. Nachdem man die Importzölle für Weizen bis Ende Oktober ausgesetzt hat, was regelmäßig geschieht, ging es nun um weiter grundlegende Importgüter.

Infolgedessen wurden die Einfuhrzölle auf Ölsaaten und bestimmte pflanzliche Rohöle ab dem 3. Juni 2022 ausgesetzt. Die Auswirkungen dieser Maßnahme waren jedoch sehr begrenzt, was vor allem auf die Struktur der marokkanischen Importe zurückzuführen sein könnte, deren Einfuhr bereits weitgehend zollfrei ist.

Es handelt sich um Rohöle aus Sonnenblumen, Sojabohnen, Raps und ähnlichen Rohstoffen von denen 80 % der marokkanischen Importe aus Ländern stammen, mit denen das Königreich bilaterale Abkommen geschlossen hat und die daher einem 0%-Zoll unterliegen, wie z.B. die Vereinigten Staaten oder die EU.

Die restlichen 20% der Importe kommen hauptsächlich aus Ländern wie Argentinien bzw. der Ukraine und unterliegen einem Zollsatz von nur 2,5%.

Kaufkraft der privaten Haushalte kann nur sehr begrenzt profitieren.

Die 2,5% Zölle auf argentinische Einfuhren haben daher eine unmittelbare Auswirkung von 300 marokkanische Dirham MAD pro Tonne, oder 0,30 marokkanische MAD pro Liter Öl.  Die zusätzlichen Kosten für die verhängten Zölle belaufen sich auf etwa 0,10 MAD, so ein Bericht des Nachrichtenportals Le360ma.

Infolgedessen wird der Preis für den Verbraucher um fast 0,10 MAD pro Liter sinken können, für Öle anderer Herkunft um rund 0,30 MAD pro Liter, sofern diese zu 100% aus Argentinien, der Ukraine oder einem anderen Land ohne Handelsabkommen mit Marokko bezogen werden. Zugleich verliert die Staatskasse Einnahmen, was das Haushalsdefizit negativ beeinflussen dürfte. Die Entlastung ist also überschaubar.

Marokko strebt nach Souveränität

Die Ursachen für den Preisanstieg dieses Rohstoffs, dessen Anbau für die Ernährung der Marokkaner unerlässlich ist, sind die Pandemie, der Krieg in der Ukraine und der Klimawandel, deren Folgen den Anbau von Ölsaaten in großen Teilen der Welt erschweren.

Vor diesem Hintergrund arbeitet der Verband der marokkanischen Ölproduzenten mit der Regierung zusammen, um die notwendigen Instrumente zu entwickeln, mit deren Hilfe sichergestellt werden kann, dass so viele Ölsaaten wie möglich im Land selbst angebaut wird. So wäre Marokko langfristig vor Preissteigerungen auf dem internationalen Markt besser geschützt. Aber ob dies, angesichts des Wassermangels und der wiederholten Dürren gelingen kann, bleibt abzuwarten. Zugleich wird es auch schwierig bei der heimischen Produktion ein Preisniveau zu erreichen, dass mit den Importen mithalten kann. Ein weit verbreitetes Problem der marokkanischen Wirtschaft, die mit Ineffizienzen zu kämpfen hat.

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