Marokko erinnert an die Absetzung Mohammed V. durch Frankreich.

Marokko erinnert an die Absetzung des Königs Mohammend V. und den Kampf gegen den Kolonialismus.

1895
Parlamentswahlen in Marokko
Avenue Mohammed V. in Rabat

Marokko erinnert an die Absetzung des Königs Mohammend V. und den Kampf gegen den Kolonialismus.

Das Königreich Nord-Westafrikas hat eine bewegte Vergangenheit. Immer wieder wurde um die Herrschaft, des strategisch so wichtigen Gebiets, gerungen. Die heutigen Feierlichkeiten gehen auf die Ereignisse während der französischen Kolonialherrschaft zurück. Sie erinnern an den langen Kampf gegen die Fremdherrschaft und an den Putsch Frankreichs gegen den damaligen König Mohammed V. am 20. August 1953.

Marokko wurde zunächst durch Spanien in drei Kriegen von 1893 bis 1921 erobert. Der letzte Krieg 1921 fand vornehmlich im Rif-Gebirge, gegen die dortigen Berberstämme, statt. Die europäischen Eroberer scheuten dabei den Einsatz von Giftgas nicht. Sowohl Frankreich als auch Spanien gingen mit großer Brutalität vor.

Während viele Aufstände und Rebellionen bekannt sind, ist nur wenig über den Rifkrieg diskutiert worden. Doch unter dem charismatischen Gelehrten Abdelkrim El Khattabie kämpften viele Berberstämme, zunächst vereint gegen Spanien und Später gegen Frankreich. Der Aufstand der Rifkabylen kann aber als Beginn der Befreiungskämpfe gegen die Kolonialmächte im 20. Jahrhundert benannt werden. Gleichzeitig zeigte sich im Rif-Krieg, mit welcher Grausamkeit die Kolonialmächte gegen die Befreiungskämpfer vorgingen. Die jahrelangen Kämpfe forderten unzählige Tote, ließ ein durch Bomben verwüstetes und durch chemische Waffen vergiftetes Land zurück, stürzte Spanien in eine Diktatur, nachdem Franco im Rif militärisch auf sich aufmerksam machte, und stützte den französischen Marschall Philippe Pétain, der später mit den Nazis kollaborierte, als Retter der Kolonialherrschaft.

Der vergessene Krieg.

Auch Frankreich traf auf teils heftigen Widerstand bei der Besetzung Marokkos, der erst um 1930 endete. Frankreich besetzte dabei den Westen und den Süden Marokkos und überließ den Norden den Spaniern. Als Frankreich im zweiten Weltkrieg unter Nazi-Deutschlands Kontrolle geriet und teils durch das Vichy-Regime regiert wurde, wurden die Marokkanern und Algerier nicht nur durch die  rassistische kolonialen Gesetzgebung unterdrückt, sondern es zog auch die judenfeindliche Politik der deutschen Faschisten im Maghreb ein.

Bereits 1927 bestieg Sultan Ben Jussuf, bekannt als König Mohammed V. den Thron des Landes, als Nachfolger seines Vaters Mulai Yusuf. Früh sympathisierte der junge König mit der Nationalbewegung, die die Unabhängigkeit des Landes forderte und sich 1944 in der bis heute aktiven Partei Istiqlal bündelte. In einer Rede 1947 forderte Mohammed V. eine Vereinigung Marokkos unter seiner Führung und rief damit indirekt die Kolonialherrscher zum Rückzug aus Nordafrika auf. Diese Forderung führte zu ersten Verhandlungen zwischen Frankreich und Mohammed V., die aber erfolglos blieben. Frankreich setzte den König am 20. August 1953 ab und schickte ihn, zunächst nach Korsika und später nach Madagaskar, ins Exil.

Doch im Land mehrten sich die Proteste gegen die Verbannung des Königs und Frankreich sah sich gezwungen Mohammed V. zurückzuholen und 1955 erneut zu inthronisieren. Schließlich erlangte Marokko 1956 seine Unabhängigkeit. König Mohammed V. regierte bis 1961. Es folgte auf ihn König Hassan II. und nun Mohammed VI., der die lange Linie der Alawiden fortführt. Bis heute hat Frankreich einen großen Einfluss auf Marokko. Es gibt viele politische und wirtschaftliche Verknüpfungen zur einstigen Kolonialmacht. Die französische Sprache ist in Marokko zweite Amtssprache. In Frankreich stellen die Marokkaner eine große Bevölkerungsgruppe.

König Mohammed VI. kündigte an, sich heute Abend mit einer Rede an die Bevölkerung zu wenden.

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